Frohe Weihnachten und Text-Adventskalender 24. Dezember 2019

Ein letztes Mal in diesem Jahr öffnet sich der Adventskalender für euch.

Junia drückte Rahel ihren Wohnungsschlüssel und den Zettel mit ihrer Adresse in Vancouver in die Hand und sah ihr und Duke nach, wie sie in Richtung Treppenhaus gingen. Sie verstand zwar nicht, weshalb die beiden ihre Wohnung aufsuchen wollten – dieselbe, die sie früher mit ihren Pflegeeltern bewohnt hatte –, ließ sie jedoch gewähren. Allerdings regte sich ein mulmiges Gefühl in ihrer Magengegend. Vielleicht hätte sie ihnen gegenüber noch ein, zwei Details mehr über sich und ihre Vergangenheit preisgeben sollen. Doch die ihr eigene Zurückhaltung – es sei denn, sie sprach mit Falk – und ein winziger Rest mangelnden Vertrauens, was ihre neuen Freunde anbelangte, hatten sie davon abgehalten.

Leise betrat sie das Zimmer der Männer. Falk schlief endlich, nachdem Rahel ihn mit sanfter Gewalt davon überzeugt hatte, eine von den Schmerztabletten zu nehmen, die ihm ein aufgebrachter Arzt dagelassen hatte. Zusammen mit der Anweisung, ihn ja nicht zu rufen, falls Falk noch einmal ärztliche Hilfe benötige.

Junia lachte verhalten. Falk konnte Ärzte offenbar weder ausstehen noch ernst nehmen. Vielleicht waren sie aber auch einfach nur die perfekten Opfer für seine gutmütigen Frotzeleien und sein erstaunlich großes Wissen, was die Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers anbelangte. Ohnehin schien Falk einen überdurchschnittlichen Intellekt zu besitzen, den er, wie auch seine Schmerzen während der ärztlichen Untersuchung, hinter Albernheiten zu verstecken verstand.

Vorsichtig ließ sie sich auf der Stuhlkante nieder und betrachtete das jetzt entspannte Gesicht, das dringend eine Rasur brauchte. Sie beugte sich vor und strich Falk eine ausgebleichte Haarsträhne aus der Stirn. Dabei schien ihr Herz ins Stolpern zu geraten. Ruckartig sprang sie auf. Sie mochte Falk. Viel zu sehr, bedachte man, dass sie ihn ein Jahr lang nicht gesehen hatte und zudem stets darum bemüht gewesen war, ihn nicht zu nahe an sich heranzulassen. Aber sie hatte nach Ang nie wieder jemanden getroffen, der für sie den Kopf hingehalten hätte – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Ob sich so wahre Freundschaft anfühlte? Das Gefühl, in einem Familienverbund verankert zu sein, von Geschwistern beschützt und umsorgt zu werden, die bereit waren, sich für sie einzusetzen? Eine kleine Ecke ihres Herzens wagte es, sich zu wünschen, dass sie für immer mit Rahel, Duke und Falk verbunden bleiben durfte.

Junia schlang die Arme um ihren Leib und blickte durch die geöffnete Balkontür auf die silbergrauen Wellen. Sie liebte das warme Gefühl, das die Jägers, Rahel, Duke und vor allem Falk in ihr auslösten. Ein Gefühl von Geborgenheit, Zugehörigkeit, Verständnis und Liebe, wie es ihr einst ihre Eltern – und später ihre Pflegeeltern – geschenkt hatten. Außerdem fühlte sie sich in ihrem Glauben an Gott geborgen, etwas, das Ang und seine Frau in ihr verankert hatten. Sie wusste, dass die beiden viele Nächte auf den Knien verbracht hatten, um für Heilung in ihrem Herzen zu beten.

Liebe Leser und Leserinnen,

wieder einmal liegt ein buntes, turbulentes Jahr hinter uns. Mit fröhlichen und traurigen Anteilen, mit Herausforderungen, die uns an unsere Grenzen gebracht haben, und mit kleinen Wundern.

Zwei veröffentlichte Bücher mit etwa 1.549.000 Zeichen liegen hinter mir, dazu einige Leseproben, neu geschriebene Manuskripte und weitere Texte, die diese Zahl wohl nochmals übertreffen werden.

Ich war Umzugstransporterfahrer, Babysitter, Wohnungssuchende, Alleinunterhalter (bei Lesungsveranstaltungen), Autorin, VIP und die Letzte in der Nahrungskette. Ehefrau, Mutter, Schwiegermutter und Oma, ab und zu Freundin, die „Bücherfrau“ und Schwester oder Schwägerin und Tante. Dazu Köchin und Bäckerin (eher selten), Krankenschwester und Erkrankte, Waschfrau, Gärtnerin und Chauffeurin, Händchenhalter, Fußabtreter, diejenige die verwöhnt wurde, diejenige, die andere beschenkte und vieles mehr.

Was ich aber auch bin:

Eine Königstochter.

Geliebt und wertgeachtet. Und das so, wie ich bin, egal wie ich mich fühle und gebe. Mit all meinen Fehlern und Unzulänglichkeiten, aber auch beschenkt mit Gaben und der sehr speziellen Fähigkeit, so Manches einfach auszublenden.

Viel zu oft vergesse ich dieses Privileg, achte es zu gering und „nutze“ es zu wenig (Darüber wird es auch im „Das Lächeln des Drachen“ gehen).

Doch jetzt kommt wieder Weihnachten, und ich darf mich neu über die Krippe beugen und über das Wunder verschenkter Liebe staunen – bis hin zum Kreuz und darüber hinaus. Und gleichzeitig beugt sich Gott über mich, hält mich, trägt mich, beschützt mich …

Ich wünsche euch und Ihnen ganz besondere Augenblicke in dieser Zeit zwischen den Jahren.

Ruhige Tage, die ein Resümee zulassen, ein Innehalten und Besinnen auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens, zum Schmieden neuer Pläne, die perfekt in dein/euer Leben passen, die nicht zu groß, aber auch nicht zu klein sind.

Ich wünsche Hoffnung dort, wo aus menschlicher Sicht keine mehr möglich ist. Zufriedenheit in einer Welt, in der so viele Menschen nach immer mehr und immer größeren Zielen streben und dabei doch unglücklich sind.

Ich wünsche aufregende, schöne, friedliche Tage und dass, die, die genau anders verlaufen, uns prägen, uns lehren, uns verändern und uns unseren Blick auf den richten lassen, der da einst in der Krippe lag, dann am Kreuz hing und uns Wohnungen in seinem Haus vorbereitet.

Frohe Weihnachten und einen guten Start in das Jahr 2020

wünschen Elisabeth und Christoph

Ein Bild, das Person, Mann, Kleidung, Wand enthält.

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Über Elisabeth

Autorin historischer und zeitgenössischer Romane
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