Text-Adventskalender 23. Dezember 2019

Plötzlich schnürte es Falk die Luft ab. Der Ninja zerrte an seinem T-Shirt, und ihm blieb nichts anderes übrig, als sich mit den Füßen tretend in die Richtung zu schieben, in die er geschleift wurde. Er versuchte, einen Blick auf das Gesicht unter der schwarzen Kapuze zu erhaschen, sah aber nur einen hellen Fleck und den weißlichen Schimmer eines Augenpaares darin. Ohne Vorwarnung ließ die Gestalt Falk los, sein malträtierter Schädel landete im Sand. Erneut verließ ein Stöhnen seine Kehle.

„Verschwinde endlich!“, zischte eine Stimme nahe an Falks Ohr, dann stellte sich der Kämpfer breitbeinig vor ihm auf, um ihn vor weiteren Angriffen abzuschirmen. Dabei hielt er den Stock in beiden Händen und stand völlig reglos da. Nicht einmal seine Atemfrequenz schien erhöht zu sein.

Falk griff nach seinem Smartphone und rappelte sich auf. Er schwankte und vollführte ein paar unsichere Schritte. Prüfend warf er einen Blick zurück. Der Ninja stand noch immer steif wie eine Statue da und deckte ihm den Rücken. Falk grinste und rief: „Ich hab euch doch gesagt, ihr hättet eure großen Brüder –“ Er brach ab, als der Schatten den Langstock drohend in seine Richtung hob. Falks Grinsen wurde noch breiter. Sein Galgenhumor hatte offenbar überlebt. Was von seinem Gehirn sonst noch übrig war, würde er später herausfinden müssen. Mehr torkelnd als gehend und sich mit beiden Händen den hämmernden Kopf haltend, trottete er davon.

Junia trat in den Hotelflur und wurde Zeuge, wie Falk aus dem Aufzug stieg und sich mit der linken Hand an der Wand abstützte. Ob er schlimmer zugerichtet worden war, als sie angenommen hatte? Sie wollte gern glauben, dass der Überfall auf Falk nichts mit ihr zu tun hatte, allerdings gelang es ihr nicht, sich das einzureden. Sie war eine Gefahr für ihre neuen Freunde!

Kummer und Wut wallten zeitgleich in ihr auf. Sie schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass Gott ihr Gelassenheit schenken möge. Und dass er dieses Chaos, das um sie herum entstanden war, wieder aufräumte.

Sie klopfte kräftig an die Tür des Nebenzimmers und eilte dann Falk entgegen, der sie schief angrinste. Seine linke Gesichtshälfte war angeschwollen, dazu zog sich eine Blutspur von seiner Stirn über die Wange bis zum Hals.

Ohne ein Wort zu sagen, umfasste Junia ihn an der Hüfte, und er stützte sich schwer auf sie. Rahel, die auf Junias Klopfen hin die Tür geöffnet hatte, schnappte hörbar nach Luft, woraufhin Duke seine Frau beiseitedrängte. Sobald er erkannte, dass Rahel keine Gefahr drohte, lehnte er sich mit vor der Brust verschränkten Armen in den Türrahmen. „Was hast du denn schon wieder angestellt?“

„Mich verprügeln lassen“, keuchte Falk unter Schmerzen.

„Und warum?“

„Ich sammle blaue Augen.“

„Zu Forschungszwecken?“

„Das von dir war rechts, jetzt dachte ich –“

„Ihr hört jetzt sofort auf!“ Rahel verstand keinen Spaß, wenn es um die Gesundheit ihrer Freunde ging. Sie bedeutete Junia, dass sie Falk in das Männerzimmer bringen solle, also schob Junia ihn über die Schwelle. Vorsichtig setzte er sich auf die Bettkante und ließ Rahels mit sanftem Druck ausgeführte Untersuchung über sich ergehen. Schließlich leuchtete sie ihm mit einer Taschenlampe in die Augen. „Du solltest dich im Krankenhaus untersuchen lassen.“

„Ich habe einen Dickschädel.“

„Das ist mir durchaus bekannt.“

„Ach, deshalb!“

„Richtig. Vielleicht kann dich da endlich jemand geraderücken.“

„Es waren drei, und sie kamen aus dem Nichts.“

„Es gibt kein Nichts.“

„Aus der Dunkelheit. Am Strand.“

„Hast du sie provoziert? Irgendwelche lockeren Sprüche über ihre Shorts oder ihre Bärte? Über die Art wie sie joggen oder –“

„Ich liebe dich auch, Kleine.“

Von Duke kam ein Räuspern. Junia verfolgte den Schlagabtausch mit gerunzelter Stirn.

„Offenbar missfällt es irgendjemandem, dass wir in Junias Vergangenheit herumstochern“, vermutete Falk, der sich im Zeitlupentempo zurücklehnte, wobei seine langen Beine weiterhin über die Bettkante hinausragten.

„Es weiß doch niemand, wo wir sind.“ Rahel klang aufgeschreckt.

„Wer weiß?“, schränkte Duke, der Kriminalist, ein. Er wusste, wie viele ihrer Daten aufgrund der Flugreise und des Eincheckens im Hotel in Umlauf geraten waren.

„Gut, dass Duke dir ein paar Tricks gezeigt hat und du sie abwehren konntest.“ Rahel tippte sich mit dem Zeigefinger nachdenklich an die Lippen. Vermutlich überlegte sie noch immer, ob sie Falk in ein Krankenhaus bringen sollten.

„Drei Angreifer gegen diese Bohnenstange. Da helfen selbst meine besten Verteidigungsstrategien nichts.“ Duke musterte Falk eingehend. Der grinste, während Junia die Finger hinter dem Rücken ineinanderschlang.

„Ich hatte einen Helfer.“

„Du meinst einen Retter.“ Duke blieb bei seiner Meinung, dass Falk gegen drei Angreifer keine Chance gehabt hatte. „Und wo ist der jetzt?“

„Tja, wenn ich das wüsste.“ Falks Grinsen fiel noch breiter aus, allerdings stöhnte er dabei auf. Die Bewegung bereitete ihm offenbar Schmerzen. Schnell sprang Rahel zur Minibar und nahm eine eiskalte Colaflasche heraus, die sie ihm in die Hand drückte. Er hielt sie vorsichtig an seine linke Gesichtshälfte.

„Ihr hättet ihn sehen sollen. Diese flinken Bewegungen. Energiegeladen, gezielt, kraftvoll, dynamisch“, schwärmte Falk. Junia wandte sich dem Fenster zu. Sie konnte ein Grinsen kaum unterdrücken. Jetzt da sie wusste, dass Falk zwar unter Schmerzen litt, aber nicht ernsthaft verletzt war, wartete sie gespannt auf das sich anbahnende Gespräch.

„Dein Ninja war wieder da?“ Duke lachte.

Das vorletzte Türchen hat sich also geöffnet. Jetzt suche ich mal noch einen hübschen Text für morgen, ab dann müsst ihr warten … bis Mitte/Ende Februar, dann kommt der Drache „endlich“ auf den Buchmarkt .

Signierte Vorbestellung gern bei mir.

Wer „Im Herzen die Freiheit“ noch nicht kennt, kann die Zeit bis dahin ja mit diesem Roman aus meiner Feder überbrücken.

Und jetzt genieße ich meine große Familie und die beiden Enkel, die schon hier sind. Übrigens finde ich, dass der Große die coolsten Hausschuhe überhaupt hat. Auch wenn er behauptet, es seien Krokodile … 🙂

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Über Elisabeth

Autorin historischer und zeitgenössischer Romane
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1 Antwort zu Text-Adventskalender 23. Dezember 2019

  1. Mareike sagt:

    Zitat „Sobald er erkannte, dass Rahel keine Gefahr drohte, lehnte er sich mit vor der Brust verschränkten Armen in den Türrahmen. „Was hast du denn schon wieder angestellt?““
    Das kann auch nur dir einfallen! *lachen*
    Ich bin echt gespannt, was es mit diesem Ninja auf sich hat.

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