Text-Adventskalender 21. Dezember 2019

Ich habe es – nach einer wirklich sehr intensiven Schreibwoche – tatsächlch geschafft, den Rohtext des aktuellen Manuskripts noch vor Weihnachten zu beenden. So kann ich tatsächlch mal ein paar Tage richtig freinehmen und freue mich schon jetzt auf meine große Familie!

Von Junia haben wir erfahren, dass sie keine Familie mehr hat. Und sie wähnt die von Falk in Gefahr – wegen ihr. Springen wir mal ein kleines Stückchen im Text, ehe wir das Türchen Nummer 21 öffenen:

„Okay. Wie geht es Junia?“

„Ich weiß es nicht so genau.“ Nun war Rahels Stimme wieder gewohnt sanft. „Sie ist sehr still und nachdenklich. Allerdings kann ich das auch verstehen. Sie weiß, dass sie im Fokus von jemandem steht, der sie kidnappen will. Und dass du diese Leute für so gefährlich hältst, dass du Junia von deinen Eltern weggeholt hast. Jetzt sitzt sie mit uns, die wir ihr so gut wie fremd sind, in einem Hotel, das sie sich nicht leisten kann, und das auch noch in der Stadt, die sie mit nichts als Schmerz und Leid in Verbindung bringt. Sie weiß, dass sie dringend unsere Hilfe braucht, dennoch ist es ihr unangenehm, sie anzunehmen.“

„Wo ist sie jetzt?“

„Sie ist gleich nach dem Abendessen aufs Zimmer verschwunden. Duke und ich sind noch spazieren gegangen, da ich ihr etwas Freiraum und Ruhe gönnen wollte.“

„Danke, Rahel. Du bist ein Schatz.“

„Du weißt, dass ich dir oder deinen Freunden immer helfen werde, ja?“

„Ja, das weiß ich, Kleine. Und das liebe ich so an dir. Ich bin hier fertig. Wir sehen uns dann morgen.“

Falk beendete das Gespräch, las die fünf Zeilen noch einmal durch und schaltete schließlich das Gerät aus. Im Grunde brachte sie das, was er da gefunden hatte, nicht den kleinsten Schritt näher an des Rätsels Lösung. Sie steckten in einer Sackgasse, genau wie damals die kanadischen Ermittlungsbehörden.

Er räumte die dünnen schwarzen Folienblätter weg, löschte die Lichter und joggte zurück zu dem Gebäude, das die Redaktion beherbergte. Wie vereinbart warf er den Schlüssel für die Kellerräume in den Briefkasten und holte sich bei einem Strandverkäufer dessen letztes belegtes Brötchen.

Langsam schlenderte Falk den Strand entlang, lauschte dem Donnern der Brandung zu seiner Linken und dem Grillenzirpen und leiser Musik zur Rechten. Dort verriet orangefarbener Lichtschein hinter Vorhängen, wo weitere Hotels, Ferienwohnungen und Privathäuser standen. Er kaute auf dem labbrigen Brötchen herum und hoffte, dass zumindest Dukes Einfall zu einem Ergebnis geführt hatte. Es wurmte ihn, dass ihre Reise nach Vancouver sie nicht voranbrachte. Vor allem, da dies bedeutete, dass Junia noch länger in Ungewissheit und Angst leben musste. Das hatte sie nicht verdient. Und das nicht nur, weil sie in ihrem Leben bereits einmal zu viel das Opfer von Menschen geworden war, die sich einfach nicht greifen ließen – ebenso wenig wie ihre Motivation.

Falk blieb ruckartig stehen, als plötzlich eine Gestalt vor ihm stand. Er hatte den anderen nächtlichen Strandspaziergänger nicht früher gesehen, war der doch völlig in Schwarz gekleidet. Zu ihm gesellte sich ein zweiter Mann mit der Statur eines Preisboxers, gleich darauf konnte Falk links von sich eine dritte Person ausmachen. Das sah gar nicht gut aus. Er ließ das halbe Brötchen in den steinigen Sand fallen.

Über Elisabeth

Autorin historischer und zeitgenössischer Romane
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