Text-Adventskalender 16. Dezember 2019

In dem Augenblick, als Falk die Treppe mit dem roten Geländer betrat, huschte ein Schatten hinter ihm vorüber.

Ruckartig drehte er sich um und sah, wie die schwarze Silhouette von zuvor hoch in die Luft stieg, als könnte sie fliegen. Gleich darauf balancierte sie tänzelnd über etwas, vielleicht ein Gestell oder einen niedrigen Dachfrist, und verschwand dann mit einem Sprung aus seinem Blickwinkel, als hätte der Nebel – oder der Himmel – sie aufgesaugt. Falk raufte sich das feuchte, ohnehin in alle Richtungen abstehende blonde Haar. Was sah er da nur immer? Ein besonderes Nebelphänomen dieser Insel? Ein menschenähnliches Tier, das sich lautlos und federleicht zu bewegen verstand?

„Ninja!“, beschloss er und zuckte zusammen, als eine raue Stimme erwiderte: „Freut mich. Wobei ich dachte, Sie heißen Falk.“

„Jetzt, wo Sie es sagen …“ Falk grinste, öffnete die Schnallen seines Rucksacks und ließ diesen von seinen Schultern gleiten. Der Mann, der ihm die weiße Tür aufhielt, war um die fünfzig, hatte graues kurzgeschorenes Haar und stellte sich ihm als Marc Carlson vor.

„Wenn Sie da sind, ist auch mein Zubehör eingetroffen“, überlegte Carlson laut. Falk vermutete in ihm einen der Wetterfrösche der Station. Carlson griff nach einem schwarzen Regenmantel.

„Die Piper war jedenfalls gut beladen.“

„Prima, dann fahre ich mal an den Strand. Ich kann Sie gern ein Stück mitnehmen und Ihnen zeigen, wo Ihre Eltern untergekommen sind.“

Falk bedankte sich für das freundliche Angebot und schnappte sich erneut sein Gepäck. Nacheinander verließen sie den großen Raum, der fast das gesamte Gebäude ausmachte und dessen Tür Carlson trotz der wertvollen Geräte nicht abschloss. Aber weshalb auch? Hier gab es niemanden, der etwas stehlen konnte. Abgesehen von ein paar Piraten vielleicht, den Geistern Tausender Schiffbrüchiger, die vor Sable Island ertrunken waren, und … einem Ninja?

Auf der kurzen Fahrt in dem schwarzen Chrysler Truck über die holprige Sandpiste erläuterte ihm Carlson die Funktion der einzelnen Gebäude, stoppte schließlich und winkte, dass Falk aussteigen könne. „Hier wären wir.“

„Sie sollten ins Taxi-Gewerbe der Insel einsteigen.“

Carlson lachte und schlug sich auf die Oberschenkel. „Falls im Flugzeug etwas für Ihre Eltern dabei ist, bringe ich es später vorbei.“

„Danke.“

„Viel Spaß hier, was auch immer ein junger Kerl wie Sie auf diesem einsamen Ödland anstellen will.“

„Piraten, Geister und Ninjas jagen.“

„Dann wird es Ihnen ziemlich langweilig werden.“ Carlson hob grüßend die Hand und fuhr mit unter den Rädern aufspritzendem Sand davon. Drei Pferde schreckten auf und traten die Flucht an, blieben jedoch wenige Meter weiter stehen und widmeten sich dem, was sich ihnen dort zum Fressen bot. Falk vermutete, dass es inmitten der sanft geschwungenen, mal braunen, dann wieder grünen Landschaft, die von Seen und Flussläufen durchzogen war, noch mehr dieser Tiere gab. Sie verbargen sich aber hinter den mal träge, mal schnell ziehenden Nebelschwaden.

Mit geschultertem Rucksack folgte er dem ausgetretenen Pfad und näherte sich einem weißen Holzgebäude. Die Veranda, deren Geländer feuerrot gestrichen war, wurde von ebenfalls roten Vorbauten vor dem Wind geschützt. Auf seinem Weg dorthin scheuchte Falk Möwen auf, die protestierend das Weite suchten. Endlich stand er vor einer weißen Holztür, an der ein Zettel befestigt war, der vielmehr einem nassen Lappen als einem Stück Papier glich. Die leicht verschwommenen Worte verrieten ihm, dass sich seine Eltern bei den Wracks an der Westspitze aufhielten, nahe des ehemaligen Standpunktes des westlichen Fahnenmastes.

Falk verdrehte die Augen. Er hatte wenig Lust, sich schon wieder auf unbekanntes Terrain zu begeben. Vor allem bei diesen Sichtverhältnissen, und somit auf die Gefahr hin, womöglich keine fünfzig Meter an seinen Eltern vorüberzugehen, weil diese mittlerweile den Rückweg angetreten hatten. Er drückte die Klinke und betrat einen erfreulich hellen Wohnraum mit gemütlicher Einrichtung. Ein entsetzter Aufschrei ließ ihn zurückschrecken.

Damit schließt sich das 16. Türchen wieder.

Hier zuerst wieder der Hinweis auf die WeihnachtsGeschenkGutscheinAktion. Die wird noch bis zum 22. Dezember laufen.

Eine Buchbestellung der bereits erschienen Bücher „muss“ ich ab heute mit demzusätzlichen Porto von € 6,99 berechnen. Denn eine günstige Büchersendung würde nicht mehr rechtzeitig vor Weihnachten ankommen. Weshalb der Päckchen/Paket-Versand nötig wird. Vielen Dank für euer Verständnis.

Und natürlich gibt es auch wieder etwas zu gewinnen. Ich verlose ein weiteres Exemplar des kleinen und sehr hübschen „Verschenkbuches“ Weihnachtsfreude im Herzen.

Wer es gern gewinnen möchte „muss“ es verschenken. 🙂

Schreibt mir doch einfach im Kommentar den Vornamen (bitte, nur diesen, gern auch eine Kurzform, der Kosename …) der Person, die ihr mit dem kleinen „Büchle“ überraschen möchtet und – wenn ihr mögt – auch weshalb.

Bereits am 18. werde ich unter den Beiträgen einen Gewinner ziehen. Der Gewinner wird per Mail benachrichtigt und schreibt mir dann bitte seine Adresse, natürlich unter Wahrung der Datenschutzbestimmungen.

Ich wünsche euch einen guten Wochenstart.

Über Elisabeth

Autorin historischer und zeitgenössischer Romane
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5 Antworten zu Text-Adventskalender 16. Dezember 2019

  1. Nelli sagt:

    Ich würde das Buch meiner Schwester Christina schenken, einfach nur, weil auf sie immer Verlass ist.

  2. Christina sagt:

    Ich würde das Buch der lieben Nelli schenken. Einfach weil sie ein toller Mensch ist 🙂

  3. Mareike sagt:

    Für Urmel – damit meine Mutter nicht immer leer ausgeht bei den „Büchle“-Büchles äh. Büchern… Das wäre eine gelungene Überraschung.

  4. Nadine sagt:

    Ich würde gerne das Büchle meiner lieben Freundin Ann schenken

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