Text-Adventskalender 14. Dezember 2019

Bevor wir nachschauen, was Falk so anstellt, kommt hier noch der letzte Hinweis auf die Gewinnaktion für diese hübsche Cover-Tasse.

Vergesst nicht bei der Gewinnaktion für eine weitere Cover-Tasse mitzumachen. Noch ist das möglich. Klickt einfach auf den Text-Adventskalender unter dem 11. Dezember. (Siehe rechts oben bei „Neueste Beiträge“)

Öffnen wir also ein weiteres Türchen …

Dunkle Abschnitte kristallisierten sich dort heraus, wo der Dünenbewuchs dichter war als andernorts. Je tiefer die Maschine flog, umso deutlich konnte Falk die Bauwerke modernerer Art, aber auch die im Verfall begriffenen und vom Sand umschlungenen Holzhäuser erkennen. Sie näherten sich einem langgezogenen Strandabschnitt, der nicht von Dünen oder Wasserflächen durchbrochen war und wohl als Landeplatz diente. Allerdings hielten sich dort gerade einige robuste Pferde auf.

Der Pilot steuerte über die kleine Herde hinweg, und die Pferde stürmten mit wehenden Mähnen davon, sodass die Maschine schließlich wenden und noch tiefer gehen konnte. In dem Augenblick, als die Räder der Piper auf dem unebenen Untergrund aufsetzten und Falk gehörig durchgeschüttelt wurde, umschlang der Nebel erneut die Insel. Fasziniert beobachtete Falk, wie die Welt um ihn herum innerhalb eines Wimpernschlags im Nichts versank. Kein Wunder, dass dieses aus der Luft so freundlich aussehende Lächeln vielen Schiffen zum Verhängnis geworden war, war es doch in der Lage, sich in Sekundenschnelle zu verstecken. Hinzu kamen beißende, schnell aufziehende Stürme und verquere Strömungen, wie Falk wusste.

Das Motorengeräusch erstarb, kurz darauf betrat der Seeräuber die Kabine mit den vier Sitzen, von denen drei mit Kisten und Säcken beladen waren.

„Perfekte Landung“, lobte Falk und erntete ein unwirsches Brummen. Offenbar hatte der Mann schon vor dem Start gesehen, dass Falk die Sache nicht ganz geheuer war.

Falk schnappte sich seinen Rucksack, stieg in den hier festen Sand hinab und sah sich hilflos um. Er hatte keine Ahnung, wohin er sich wenden sollte, hörte er doch nur das durch den Nebel gedämpfte Tosen der Brandung in seinem Rücken.

„Zur Station geht es da lang.“ Captain Blackbeard deutete in den Nebel.

Falk, gehorsam wie selten, marschierte los. Auf insgesamt vierunddreißig Quadratkilometern konnte man sich ja nur begrenzt verirren, zumal zwei Versuche, Bäume auf der Insel zu pflanzen, die ihm die Sicht hätten versperren können, kläglich gescheitert waren. Demnach musste man sich von jeder höheren Düne aus orientieren können. Zumindest wenn kein Nebel herrschte.

Er erreichte gerade den sanften Anstieg eines Dünenkamms, als er hinter sich ein eigentümliches Geräusch vernahm. Es war, als zische eine einzelne Windbö an ihm vorbei. Neugierig drehte er sich um und sah einen tanzenden Schatten in den dichten Nebelschwaden verschwinden. War das ein Minitornado? Falk tat die Überlegung als Blödsinn ab. Es könnte eines der Sable-Island-Ponys gewesen sein. Das würde allerdings weder dieses Zischen noch die wirbelnde Bewegung erklären.

Typisch Falk! Was er da wohl wieder sieht? Oder förmlich wie ein Magnet angezogen hat?

Sable Island

Die Insel gehört zur kanadischen Provinz Nova Scotia und liegt nahe der transatlantischen Schifffahrtsrouten, weshalb sie seit Beginn der Seefahrt als eines der gefährlichsten Hindernisse für Schiffe gilt. Schätzungsweise 10.000 Seeleute sind dort seit Ende des 16. Jahrhunderts ums Leben gekommen.

Wie im Roman beschrieben, wurden den Schiffen die Untiefen, Strömungen und die schnell wechselnde Wetterlage zum Verhängnis, ebenso wie die Tatsache, dass sich Sable Island gern einmal im Nebel versteckt.

Dauerhafte Besiedelungsbemühungen scheiterten. Das größte Projekt startete Ende des 16. Jahrhunderts mit rund sechzig Strafgefangenen, da sich keine Freiwilligen fanden. Der Versuch wurde nach nur vier Jahren beendet. Bis auf elf Überlebende waren alle anderen „Siedler“ tot. Sie hatten sich gegenseitig umgebracht oder waren an Krankheiten verstorben. Ebenso erfolglos blieb das Aufforsten mit Bäumen. 1901 pflanzte die kanadische Regierung über 80.000 Setzlinge, die allesamt eingingen. Ein erneuter Versuch im Jahr 1960 brachte einen deutlich größeren Erfolg: Eine Kiefer überlebte. (Inzwischen soll sie ein paar wenige (!) stolze Meter hoch sein.)

Wer sich die lächelnde Insel gern einmal ansehen möchte, kann in Google Maps einfach „Sable Island“ eingeben und voilà – da ist sie. Die schönste Ansicht hat man, wenn man auf „Satellit“ umschaltet.

Über Elisabeth

Autorin historischer und zeitgenössischer Romane
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