Text-Adventskalender 10. Dezember 2019

„Autsch“. Was hat es denn nun mit diesen beiden Damen auf sich, die gestern so plötzlich vor den Toren von Broomglade Manor standen und Olivia dabei „erwischt“ haben, wie sie heimlich das Haus verlassen wollte …?

Öffnen wir doch mal das 10. Türchen im Adventskalender:

„Miss Kramer?“ Pembrokes Stimme klang besorgt – eine Wohltat in einer Welt, die Olivia mit frostiger Eiseskälte umgab. Allerdings hatte er der furchteinflößenden Frau nun auch ihren Nachnamen verraten. Langsam wandte Olivia den Kopf und blickte den Butler an.

„Ihr Frühstück steht bereit. Möchten Sie Ihren Spaziergang nicht auf später verschieben? Es heißt, die Wolken werden gegen Mittag aufreißen, und bei Sonnenschein ist es angenehmer, die frische Luft zu genießen.“ Einladend deutete er in die noch im Dämmerlicht liegende Eingangshalle.

Überfordert mit der Situation und zugleich dankbar für Pembrokes Eingreifen, machte Olivia kehrt und humpelte an den beiden Frauen und dem Butler vorbei. Letzterer nahm ihr unauffällig die Reisetasche ab, ließ sie hinter sich fallen und schob sie mit dem Fuß in den Schatten des Türstocks. Olivia fand seinen Überlistungsversuch dermaßen faszinierend, dass sie kurz zögerte. Pembroke hingegen nickte auffordernd und gewohnt hoheitsvoll in Richtung Salontür. Also ging Olivia hinüber und ließ sich von Lucille, die wie aus dem Nichts auftauchte und übertrieben tief knickste, die Tür öffnen. Als sich diese mit einem leisen Klacken hinter Olivia schloss, atmete sie auf. Welch ein Durcheinander sie mit ihrem unangekündigten Besuch angerichtet hatte! Sie musste sich unbedingt bei Simon – und auch bei Pembroke – entschuldigen.

Nur zögernd wandte sie sich nach rechts und betrat den Raum, in dem sie am Abend zuvor das Dinner eingenommen hatte. Der Tisch war erneut für zwei Personen gedeckt, wobei ihr die Krümel auf dem Teller und die benutzte Tasse auf der einen Seite verrieten, dass Simon bereits gefrühstückt hatte. Erstaunt hob Olivia die Augenbrauen. War es nicht üblich, dass die Mitglieder der wohlhabenden Klasse lange, manche von ihnen sogar bis zum Mittag schliefen? Jedenfalls hatte sie das bei ihren Bekannten, bei denen sie gelegentlich zu Gast gewesen war, beobachten können. Aber offensichtlich traf das nicht auf alle zu.

Auf der Anrichte standen Platten mit Käse, Würstchen und kaltem Braten, Gläser mit verschiedenen Marmeladensorten, frisch duftendes Brot, Butter und sowohl eine Kanne mit Tee als auch eine mit Kaffee bereit. Offenbar war es so gedacht, dass Olivia sich selbst bedienen sollte. Das war bei dem wenigen Personal, das Broomglade Manor beschäftigte, durchaus sinnvoll. So musste kein Lakai mehrere Stunden im Speisesaal verbringen, bis alle Familienmitglieder aufgestanden waren und gefrühstückt hatten. Wobei – bis auf Simon gab es hier doch niemanden … Vielleicht hielten Pembroke und seine Untergebenen einfach nur ein gut funktionierendes Gefüge aufrecht, obwohl der jüngere Bruder mit seiner Ehefrau nicht hier wohnte und die Eltern verstorben waren. Und dieser mysteriöse dritte Bruder …

Olivia griff nach einem Teller, legte eine Scheibe Brot und ein wenig von dem dünn geschnittenen Käse darauf und schenkte sich eine Tasse Kaffee mit Sahne ein. Kaum dass sie platzgenommen hatte, vernahm sie Stimmen im benachbarten Salon. Angespannt zog sie die Schultern hoch. Sie hörte, wie Pembroke die Gäste bat, sich einen Moment zu gedulden, da er den Hausherrn verständigen wolle, dann wurde es wieder still. Jedoch nur für einen kurzen Augenblick, ehe die durchdringende Stimme der älteren Frau Olivia aufmerken ließ.

„Das hat sicher nichts zu bedeuten, meine Liebe. Höchstwahrscheinlich war das Geschöpf bei einem der Dienstmädchen zu Besuch und nur zu faul, den weiteren Weg über den Dienstbotenausgang zu nehmen. Wie wir gesehen haben, hat sie Probleme beim Gehen. Vermutlich dachte sie, sie kommt am frühen Morgen ungesehen damit durch.“

Olivia warf einen Blick auf die filigrane Standuhr neben der Anrichte und traute ihren Augen nicht. War es tatsächlich schon beinahe elf Uhr? Hatte sie so lange geschlafen? Sicher hatte das trübe Wetter sie über die weit vorgerückte Stunde hinweggetäuscht.

Entweder sprach die andere Frau mit sanfter, leiser Stimme oder sie enthielt sich jeglichen Kommentars. Jedenfalls konnte Olivia ihre Antwort nicht hören. Warum die Dame mit dem riesigen Hut plötzlich davon abgekommen war, sich über Frauenbesuch bei Simon zu echauffieren, war ihr jedoch nicht ganz klar. Es sei denn … Schon auf der Treppe hatte sie zu verhindern versucht, dass ihre Begleiterin die Anschuldigungen mit anhörte. Hatte sie Simons vermeintlich ungeheures Betragen überspielen wollen, um ihre junge Begleiterin zu schützen? Weil die beiden etwas füreinander empfanden, womöglich bald eine Trauung bevorstand?

Übrigens: Mit Veröffentlichung von „Das Lächeln des Drachen“ kommt die Realverfilmung von „Mulan“ in die Kinos. Und der erste Covervorschlag (Ich LIEBE diesen Covervorschlag!!!) war dem des Filmplakates von Mulan sehr ähnlich. Das „Brustbild“; leicht von der Seite, einer jungen Frau, die sehr kämpferisch dreinschaut und einen Säbel so hält, dass er (schräg) einen Teil ihres Gesichts verdeckt. Das Ganze in vielen kräftigen Blau- und Schwarztönen und mit denselben Drachen-Emblemen versehen, wie auf dem „richtigen“ Cover. Leider darf ich es euch aus rechtlichen Gründen nicht zeigen. (Urheberrecht des Fotografen/Künstlers) Hier mal einen Link zu dem Filmplakat.

Und dieser Gesichtsausdruck trifft es ganz gut.

Wobei ihr euch jetzt vermutlich fragt, was das denn mit den Texten zu tun hat, die ihr bisher gelesen habt. Tja. Wartet ab … 😉

Wer dieses – oder ein anderes Buch aus meiner Feder – gern verschenken möchte, ist bei meine WeihnachtsGeschenkGutscheinAktion genau richtig.

Und morgen gibt es dann die Gewinnchance für eine weitere Cover-Tasse.

Über Elisabeth

Autorin historischer und zeitgenössischer Romane
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