Neues aus der Schreibstube

Zwei Monate sind seit meinem letzten Blog-Eintrag vergangen.

Zwei läppische Monate, in denen ein winziges Virus unser aller Leben – weltweit – auf den Kopf gestellt hat. Pandemie, heißt das Schlagwort. Corona, erschreckende Todeszahlen, völliger shut down, geschlossene Grenzen, Kontaktsperre, mancherorts sogar Ausgangssperren, Verständnis und Unvernunft, Kurzarbeit, Systemrelevanz, Milliarden-Unterstützungspakete für die Wirtschaft – in der BRD, abgesagte Großveranstaltungen, keine Gottesdienste, Hamsterkäufe (WC-Papier! Echt jetzt?), fehlende Schutzkleidung, selbstgenähte Augen-Nasen-Masken, Maskenpflicht, Ansprache der Kanzlerin an die Nation, allmähliche Öffnung einiger Geschäfte, angedachte Öffnung der Schulen – vorerst für die Abschluss- bzw. Prüfungsklassen …

Panik wechselt sich mit Leichtsinn und wilden Verschwörungstheorien ab. Unvernunft mit Mitgefühl und dem entsprechend angebrachten und rücksichtsvollen Handeln all denen gegenüber, die als (Hoch)risikopatienten gelten (würden).

Gestern wurde ich von einer Zeitung um ein Interview gebeten mit dem Thema: Die Pandemie und die Autorin.

Darin habe ich u.a. Fragen über meine finanziellen Einbußen beantwortet. Aktuell, weil eine Lesung nach der anderen abgesagt werden musste, darunter wirklich große und großartige Veranstaltungen. Viel heftiger wird mich/uns, wie auch meine Autorenkollegen, das allerdings im nächsten Jahr treffen, wenn (eigentlich) die Honorarabrechnungen für die verkauften Bücher aus dem Jahr 2020 eintreffen sollten. (Und es vermutlich keine unbürokratischen Soforthilfen vom Staat mehr geben wird???)

Denn die Buchläden sind ja ebenfalls geschlossen worden, Bücher, wie mein „Das Lächeln des Drachen“, kamen kurz vor dem sanften shut down (oder noch schlimmer: genau währenddessen) auf den Markt – und gingen mit de Einschränkungen des öffentlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens unter. „Corona-Bücher“. (Dazu muss man wissen, dass ein Roman heutzutage eine Haltbarkeit von sechs bis acht Wochen hat. Danach ist er alt und out. Jede Aufmerksamkeit – und Verkäufe – die dem Buch in dieser Zeit fehlen, kann es normalerweise nie wieder aufholen.

Die Verlage hofften auf ein Anziehen der Ebooks, was nur bedingt stattgefunden hat. Offenbar wollen die deutschen Bürger in diesen Zeiten kein Geld für Litaratur ausgeben. (Zumal eine Menge Streamingdienste plötzlich die Filme kostenlos angeboten hatten …) Lieber für WC-Papier …?

Wie auch immer – und wie auch immer Corona euer soziales, gesellschaftliches oder wirtschaftliches Leben beeinflusst hat …

Wir (und da will ich mich nicht rausnehmen) jammern auf einem extrem hohen Niveau. Das erkennen wir, wenn wir mal von uns weg auf andere Länder schauen. In Europa. Und wenn wir dann mal nach Südamerika blicken, nach Asien, nach Afrika …wird uns das hoffentlich allen sehr deutlich bewusst werden (auch wenn wir die wirklichen Todeszahlen dort, das Elend, die neue Armut, die Verzweiflung und das Leid niemals werden vollständig erfahren und erfassen können). Uns geht es weit besser als (geschätzten, und vermutlich zu niedrig geschätzten!) 90 Prozent vom Rest der Welt!

Ich möchte dankbar sein über eine Regierung, die besonnen reagiert hat und abzuschätzen versuchte, was wichtiger ist: Der drohende wirtschaftliche Schaden (in einem sehr reichen Land!) oder die Sicherheit und das Leben der Bürger. Wie so oft werden wir erst „hinterher“ schlauer sein – vielleicht werden wir aber auch nie erfahren (müssen), ob dieser völlige shut down wirklich sinnvoll, wichtig, ja überlebenswichtig war (wenn ich auf die Opferzahlen in Italien und Spanien blicke, in den USA … bin ich mir da ziemlich sicher). Jedenfalls bin ich dankbar, dass die Rettung von MENSCHENLEBEN über den wirtschaftlichen Interessen stand. Und dafür sage ich DANKE!

Jetzt steht da als Überschrift „Neues aus der Schreibstube“, denn eigentlich wollte ich das Thema Corona nur ganz kurz anreißen, mit dem Hinweis, dass in der Zeit, in der viele Menschen Kurzarbeit (und offenbar Langeweile ?) hatten, ich in Arbeit beinahe unter gegangen bin. Tja, so viel zu „ganz kurz“.
Es gibt einiges Neues, wobei ich über (nochmals) einiges davon noch nichts sagen kann.
Jedenfalls hat Gerth Medien auf den einbrechenden Buchmarkt reagiert und auf die für Juni angekündigte Wiederauflage der dreiteiligen Meindorff-Saga verzichtet, bzw. diese auf das Jahr 2021 verschoben.

Auf den Weg macht sich der Auftakt einer neuen „kleinen“ Reihe aus meiner Feder, quasi als Nachfolger für die „Unter dem“ – Reihe. Das Lektorat ist von mir überarbeitet bereits wieder beim Verlag. Inzwischen habe ich auch ein wunder-wunder-wunderschönes Cover bekommen. Ich werde es euch bald zeigen!
Naürlich hoffe ich, dass dieses neue Buch dann unter besseren Voraussetzungen erscheinen wird, als der abgestürzte „Drache“. (Wobei die Absage des Münchner Oktoberfest und der Stuttgarter Wiesn, darauf hindeuten, dass wohl auch die Frankfurter Buchmesse nicht stattfinden wird …)

Einen weiteren Noa C. Walker- Roman habe ich beendet und an tinte&feder geschickt, ich rechne bald mit dem Lektorat. Inzwischen habe ich den „großen“ Gerth Medien- Roman für Frühjahr 2021 in Bearbeitung … Hierzu folgendes – von meiner FB-Seite:

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich mit einem Manuskript begonnen, das ein kleines Experiment für mich war, hatte ich Vergleichbares doch noch nie geschrieben. In Teilen, ja, aber nicht ein ganzes Manuskript. Ich hatte große Zweifel, ob das wirklich etwas werden könnte … aber immer weiter geschrieben, schließlich war das Manuskript ja schon mal angefangen. Und ein rechter Schwabe verschwendet schließlich nichts.
Jedenfalls bin ich jetzt fast fertig mit der ersten Überarbeitung des Rohtextes (es kamen einige andere Projekte dazwischen …) und bin hingerissen. Entzückt. Ein wenig verliebt in die Personen, das Setting, die Handlung. Wer hätte das gedacht! Also ich nicht!
Im Mai schicke ich das Manuskript an Gerth Medien, hat die Lektorin doch schon mal grünes Licht dafür gegeben. Auf ihre endgültige Rückmeldung bin ich dann aber schon sehr gespannt. Und auf eure! Das Buch ist für Frühjahr 2021 geplant.

Weitere (begonnene) Projekte sind in der Warteschleife, eine sehr aufregende (yeah!) Neuigkeit muss noch vertraglich festgezurrt werden, bevor ich darüber sprechen kann.

Und glaubt mir: Ich würde viel lieber frei heraus erzählen. Aber das geht leider nicht. (Vielleicht ist deshalb der Corona-Abschnitt da oben so lang geworden – weil ich mich hier unten so kurzfassen muss) 🙂

Jedenfalls: der Nachschub rollt und ich hoffe, ihr seid so lieb und kauft fleißig ein, was schon verfügbar ist. Das würde mir und meiner Familie – im Ausblick auf nächstes Jahr – wirklich sehr helfen.
Die Buchhandlungen dürfen ja jetzt wieder öffnen. Oder bestellt online. (bei Buchhandlungen, bei Gerth Medien oder gern auch direkt bei mir, dann kommen die Bücher sogar signiert zu euch, wobei ich leider nicht mehr versandkostenfrei liefen kann.) Beschenkt doch eure Lieben zu allen Festen, die in diesem Jahr noch anstehen … mit einem Büchle-Buch.

Am Allerwichtigsten ist mir jedoch: Bleibt gesund!

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Turbulente Zeiten

ICH BIN ABSOLUT … ÜBERWÄLTIGT!!!
Am Morgen des 14. Februar haben mein Mann und ich uns zu 33 Jahre „als Paar“ gratuliert. Später kam er herein und gratulierte mir nochmals, wollte mir aber erst gar nicht verraten, weshalb. Meinte, er hätte es schon wieder vergessen …


Und dann ist er mit einer total überwältigenden Mitteilung herausgerückt.
Mein „Im Schatten der Vergangenheit“ steht auf der

Shortlist für die DELIA 2020!
Die Autorenvereinigung DELIA vergibt diesen Literaturpreis jedes Jahr für den besten deutschsprachigen Liebesroman. Vielleicht erinnert ihr euch, dass „Goldsommer“ schon mal den 2. Platz gewonnen hat. Und nun findet sich mein Name, der „Schatten“ und der Verlag Gerth Medien auf der Shortlist.
DANKE an die Jury! Allein die Nominierung ist schon ein „Gewinn“!
Herzlichen Glückwunsch an alle Mitnominierten, die da sind: Nina George, Lisa Marcks, Michelle Marly, Melanie Metzenthin, Anna Moretti, Verena Rabe, Charlotte Roth, Nicole C. Vosseler und Hendrik Winter.

Die Preisverleihung wird im Rahmen der Leipziger Buchmesse, am Samstag den 14. März stattfinden.

Des Weiteren wird es im Hause Büchle bald wieder eine Trauung geben, der Knirps ist aktuell auf der Suche nach einer weiterführenden Schule und hat Prüfungen, bei den restlichen „Kindern“ gibt es diverse „Umbrüche“ und beim Autorenehepaar starten nun einige Lesungen und weitere aufregende Termine, über die wir uns aber noch ein bisschen in Schweigen hüllen.

ABER nicht verschweigen will ich natürlich, dass inzwischen der DRACHEN eingeflogen ist. Vergangenen Samstag habe ich die „Vorbesteller“ für signierte Exemplare und „Weihnachtsgeschenkgutschein“-Bücher signiert, verpackt und adressiert, dazu die Exemplare der Flat-Leser. Heute nun gehen die Bücher zur Post.

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Verlosung von Rezensionsexemplaren

Da ich mich sehr darüber freue, dass es meinen Debütroman wieder gibt, starte ich hier eine neue Aktion.
Ich verlose 5 Rezensionsexemplare von „Im Herzen die Freiheit“.
(Weitere Vorgaben hierzu findet ihr weiter unten. Bitte aufmerksam lesen!)
Die Verlosung findet hier im Blog und auf meiner Facebookseite statt.
Um an der Verlosung teilzunehmen, hinterlasst bitte einen Kommentar unter dem Originalbeitrag. Darin schreibt ihr in ein paar Sätzen
a.) warum ihr euch für das Buch interessiert und
b.) was ihr mit der Stadt New Orleans verbindet.

Mit dem Kommentar nehmt ihr an der Verlosung teil und bestätigt, die Gewinnvoraussetzungen und die rechtlichen Bestimmungen (weiter unten) gelesen und akzeptiert zu haben.
Das Los wird entscheiden. Die Gewinner werden per PN informiert. Das Spiel läuft bis einschließlich 20.01.2020

Zu eurem „Einsatz“:
Das Rezensionsexemplar wird euch nach der Auslosung zugeschickt. (Gern dürft ihr den Erhalt schon einmal mit einem Foto/Post auf eurem Instragramprofil, Facebookprofil etc. dokumentieren.)
Eure Rezension erwarte ich dann bis zum 12.02.2020
Die Rezension sollte auf mindestens 2 Portalen erscheinen (Amazon und GerthMedien – siehe Links unten), darf aber auch gern weiter gestreut werden. Entsprechende Facebook/Instagram-Beiträge sind erwünscht!

Hinweis: „Im Herzen die Freiheit“ ist in einem christlich geprägten Verlag erschienen, entsprechend gibt es im Roman Protagonisten, die sich am christlichen Glauben orientieren.

Hier die Links zu den entsprechenden Buchseiten bei Gerth Medien: https://www.gerth.de/index.php?id=details&sku=817648
und Amazon: https://www.amazon.de/Im-Herzen-die-Freiheit-…/…/ref=sr_1_1…

Zum Kleingedruckten:
Ich kann das Gewinnspiel bei Vorliegen besonderer Umstände ohne vorherige Ankündigung beenden und/oder anpassen.
Das Teilen des Beitrages erhöht eure Gewinnchancen nicht, ist aber gern gesehen.
Verantwortlich für das Gewinnspiel bin ich. Das Gewinnspiel wird zwar auf verschiedenen Social-Media Kanälen beworben (Facebook, twitter, Instagram) steht aber in keiner Verbindung zu diesen und wird in keiner Weise von diesen gesponsert, unterstützt oder organisiert. Entsprechend stehen diese auch nicht als Ansprechpartner für das Gewinnspiel zur Verfügung.
Um die Gewinne verschicken zu können, brauche ich von den Gewinnern die Postadresse. Diese wird selbstverständlich nicht an Dritte weitergegeben. Siehe auch Datenschutzhinweis:
http://www.elisabeth-buechle.de/26.html
Es werden 5 Exemplare verlost, je eines an 5 verschiedene Teilnehmer. Die Bücher werden nur innerhalb der BRD verschickt, wer in Österreich, der Schweiz etc. wohnt, darf gern teilnehmen, muss mir dann aber eine Adresse innerhalb Deutschlands nennen, wohin ich das Buch schicken kann.

Bild könnte enthalten: Baum, Pflanze, im Freien und Text

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Im Herzen die Freiheit

Das neue Jahr ist gerade mal ein paar Tage alt und schon freue ich mich über eine Buchveröffentlichung. Tatsächlich handelt es sich dabei um meinen ältesten (veröffentlichten) Roman.

Im Herzen die Freiheit ist nach einer langen Zeit wieder erhältlich. Dieses Mal kommt es als dickes Taschenbuch daher – und als EBook. Gerade habe ich gesehen, dass auch schon die erste Rezension zur Neuauflage da ist – und die hat mich natürlich sehr gefreut.

Unter anderem heißt es da: Wow, wow, wow – Elisabeth Büchle hat mit „Im Herzen die Freiheit“ in meinen Augen das bisher beste Buch veröffentlich, was ich bisher von ihr gelesen habe. (…)

Elisabeth Büchle versteht es vortrefflich, den Leser regelrecht in die Seiten hineinzuziehen und so der aufregenden Geschichte mit angehaltenem Atem zu folgen. Man steht immer wieder selbst vor der Frage, wem man vertrauen kann und wen man besser meiden sollte.

Die Szenen sind sehr vielfältig angelegt, bieten dem Leser taktisch kluge Schachzüge im Wechsel mit Nervenkitzel und Anspannung, dann wieder gibt es ruhigere Sequenzen mit rauschenden Festen, Herzklopfen und Schmetterlingen im Bauch. Man ist unweigerlich mittendrin im Geschehen (…) DANKE kathikaterinenhof, gefunden bei gerthmedien

Im Augenblick arbeite ich (leider!) parallel an zwei Romanen. Leider, weil ich das nicht gern mache, wobei ich den einen nur überarbeite, bevor ich ihn Anfang Februar abgeben muss. Das geht noch.

Was ich viel schlimmer finde, ist, wenn ich über ein Thema recherchiere, die ersten ca. 100 Seiten geschreiben habe (Leseprobe) und dann regelrecht aus dem Text, der Zeit, den Geschehnissen geworfen werde, um einen anderen Roman zu beginnen oder fertig zu schreiben. Unangenehm ist das vor allem, wenn das eine – wie letztes Jahr geschehen – ein historischer Schmöker wird, das andere aber ein zeitgenössischer.

Jetzt graut es mir ein bisschen davor, genau jenen histsorischen Stoff wieder aufzunehmen, mich neu einzuarbeiten und den Roman (dann hoffentlich halbwegs am Stück) fertigschreiben zu können. Und dabei sind die ersten ca. 100 Seiten nur so aus den Fingern auf die Seiten geflogen. Ich habe es geliebt, die Figuren zu entwickeln, den roten Faden aufzuwickeln, in die Zeit abzutauchen … Hoffen wir, dass es dann bald wieder so sein wird.

Und wer bis hierher gelesen hat, darf sich schon mal freuen. In den nächsten Tagen werde ich auf facebook und hier im Blog 5 Rezensionsexemplare von „Im Herzen die Freiheit“ verlosen. Also: schaut bald wieder rein. 😉

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Frohe Weihnachten und Text-Adventskalender 24. Dezember 2019

Ein letztes Mal in diesem Jahr öffnet sich der Adventskalender für euch.

Junia drückte Rahel ihren Wohnungsschlüssel und den Zettel mit ihrer Adresse in Vancouver in die Hand und sah ihr und Duke nach, wie sie in Richtung Treppenhaus gingen. Sie verstand zwar nicht, weshalb die beiden ihre Wohnung aufsuchen wollten – dieselbe, die sie früher mit ihren Pflegeeltern bewohnt hatte –, ließ sie jedoch gewähren. Allerdings regte sich ein mulmiges Gefühl in ihrer Magengegend. Vielleicht hätte sie ihnen gegenüber noch ein, zwei Details mehr über sich und ihre Vergangenheit preisgeben sollen. Doch die ihr eigene Zurückhaltung – es sei denn, sie sprach mit Falk – und ein winziger Rest mangelnden Vertrauens, was ihre neuen Freunde anbelangte, hatten sie davon abgehalten.

Leise betrat sie das Zimmer der Männer. Falk schlief endlich, nachdem Rahel ihn mit sanfter Gewalt davon überzeugt hatte, eine von den Schmerztabletten zu nehmen, die ihm ein aufgebrachter Arzt dagelassen hatte. Zusammen mit der Anweisung, ihn ja nicht zu rufen, falls Falk noch einmal ärztliche Hilfe benötige.

Junia lachte verhalten. Falk konnte Ärzte offenbar weder ausstehen noch ernst nehmen. Vielleicht waren sie aber auch einfach nur die perfekten Opfer für seine gutmütigen Frotzeleien und sein erstaunlich großes Wissen, was die Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers anbelangte. Ohnehin schien Falk einen überdurchschnittlichen Intellekt zu besitzen, den er, wie auch seine Schmerzen während der ärztlichen Untersuchung, hinter Albernheiten zu verstecken verstand.

Vorsichtig ließ sie sich auf der Stuhlkante nieder und betrachtete das jetzt entspannte Gesicht, das dringend eine Rasur brauchte. Sie beugte sich vor und strich Falk eine ausgebleichte Haarsträhne aus der Stirn. Dabei schien ihr Herz ins Stolpern zu geraten. Ruckartig sprang sie auf. Sie mochte Falk. Viel zu sehr, bedachte man, dass sie ihn ein Jahr lang nicht gesehen hatte und zudem stets darum bemüht gewesen war, ihn nicht zu nahe an sich heranzulassen. Aber sie hatte nach Ang nie wieder jemanden getroffen, der für sie den Kopf hingehalten hätte – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Ob sich so wahre Freundschaft anfühlte? Das Gefühl, in einem Familienverbund verankert zu sein, von Geschwistern beschützt und umsorgt zu werden, die bereit waren, sich für sie einzusetzen? Eine kleine Ecke ihres Herzens wagte es, sich zu wünschen, dass sie für immer mit Rahel, Duke und Falk verbunden bleiben durfte.

Junia schlang die Arme um ihren Leib und blickte durch die geöffnete Balkontür auf die silbergrauen Wellen. Sie liebte das warme Gefühl, das die Jägers, Rahel, Duke und vor allem Falk in ihr auslösten. Ein Gefühl von Geborgenheit, Zugehörigkeit, Verständnis und Liebe, wie es ihr einst ihre Eltern – und später ihre Pflegeeltern – geschenkt hatten. Außerdem fühlte sie sich in ihrem Glauben an Gott geborgen, etwas, das Ang und seine Frau in ihr verankert hatten. Sie wusste, dass die beiden viele Nächte auf den Knien verbracht hatten, um für Heilung in ihrem Herzen zu beten.

Liebe Leser und Leserinnen,

wieder einmal liegt ein buntes, turbulentes Jahr hinter uns. Mit fröhlichen und traurigen Anteilen, mit Herausforderungen, die uns an unsere Grenzen gebracht haben, und mit kleinen Wundern.

Zwei veröffentlichte Bücher mit etwa 1.549.000 Zeichen liegen hinter mir, dazu einige Leseproben, neu geschriebene Manuskripte und weitere Texte, die diese Zahl wohl nochmals übertreffen werden.

Ich war Umzugstransporterfahrer, Babysitter, Wohnungssuchende, Alleinunterhalter (bei Lesungsveranstaltungen), Autorin, VIP und die Letzte in der Nahrungskette. Ehefrau, Mutter, Schwiegermutter und Oma, ab und zu Freundin, die „Bücherfrau“ und Schwester oder Schwägerin und Tante. Dazu Köchin und Bäckerin (eher selten), Krankenschwester und Erkrankte, Waschfrau, Gärtnerin und Chauffeurin, Händchenhalter, Fußabtreter, diejenige die verwöhnt wurde, diejenige, die andere beschenkte und vieles mehr.

Was ich aber auch bin:

Eine Königstochter.

Geliebt und wertgeachtet. Und das so, wie ich bin, egal wie ich mich fühle und gebe. Mit all meinen Fehlern und Unzulänglichkeiten, aber auch beschenkt mit Gaben und der sehr speziellen Fähigkeit, so Manches einfach auszublenden.

Viel zu oft vergesse ich dieses Privileg, achte es zu gering und „nutze“ es zu wenig (Darüber wird es auch im „Das Lächeln des Drachen“ gehen).

Doch jetzt kommt wieder Weihnachten, und ich darf mich neu über die Krippe beugen und über das Wunder verschenkter Liebe staunen – bis hin zum Kreuz und darüber hinaus. Und gleichzeitig beugt sich Gott über mich, hält mich, trägt mich, beschützt mich …

Ich wünsche euch und Ihnen ganz besondere Augenblicke in dieser Zeit zwischen den Jahren.

Ruhige Tage, die ein Resümee zulassen, ein Innehalten und Besinnen auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens, zum Schmieden neuer Pläne, die perfekt in dein/euer Leben passen, die nicht zu groß, aber auch nicht zu klein sind.

Ich wünsche Hoffnung dort, wo aus menschlicher Sicht keine mehr möglich ist. Zufriedenheit in einer Welt, in der so viele Menschen nach immer mehr und immer größeren Zielen streben und dabei doch unglücklich sind.

Ich wünsche aufregende, schöne, friedliche Tage und dass, die, die genau anders verlaufen, uns prägen, uns lehren, uns verändern und uns unseren Blick auf den richten lassen, der da einst in der Krippe lag, dann am Kreuz hing und uns Wohnungen in seinem Haus vorbereitet.

Frohe Weihnachten und einen guten Start in das Jahr 2020

wünschen Elisabeth und Christoph

Ein Bild, das Person, Mann, Kleidung, Wand enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

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Text-Adventskalender 23. Dezember 2019

Plötzlich schnürte es Falk die Luft ab. Der Ninja zerrte an seinem T-Shirt, und ihm blieb nichts anderes übrig, als sich mit den Füßen tretend in die Richtung zu schieben, in die er geschleift wurde. Er versuchte, einen Blick auf das Gesicht unter der schwarzen Kapuze zu erhaschen, sah aber nur einen hellen Fleck und den weißlichen Schimmer eines Augenpaares darin. Ohne Vorwarnung ließ die Gestalt Falk los, sein malträtierter Schädel landete im Sand. Erneut verließ ein Stöhnen seine Kehle.

„Verschwinde endlich!“, zischte eine Stimme nahe an Falks Ohr, dann stellte sich der Kämpfer breitbeinig vor ihm auf, um ihn vor weiteren Angriffen abzuschirmen. Dabei hielt er den Stock in beiden Händen und stand völlig reglos da. Nicht einmal seine Atemfrequenz schien erhöht zu sein.

Falk griff nach seinem Smartphone und rappelte sich auf. Er schwankte und vollführte ein paar unsichere Schritte. Prüfend warf er einen Blick zurück. Der Ninja stand noch immer steif wie eine Statue da und deckte ihm den Rücken. Falk grinste und rief: „Ich hab euch doch gesagt, ihr hättet eure großen Brüder –“ Er brach ab, als der Schatten den Langstock drohend in seine Richtung hob. Falks Grinsen wurde noch breiter. Sein Galgenhumor hatte offenbar überlebt. Was von seinem Gehirn sonst noch übrig war, würde er später herausfinden müssen. Mehr torkelnd als gehend und sich mit beiden Händen den hämmernden Kopf haltend, trottete er davon.

Junia trat in den Hotelflur und wurde Zeuge, wie Falk aus dem Aufzug stieg und sich mit der linken Hand an der Wand abstützte. Ob er schlimmer zugerichtet worden war, als sie angenommen hatte? Sie wollte gern glauben, dass der Überfall auf Falk nichts mit ihr zu tun hatte, allerdings gelang es ihr nicht, sich das einzureden. Sie war eine Gefahr für ihre neuen Freunde!

Kummer und Wut wallten zeitgleich in ihr auf. Sie schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass Gott ihr Gelassenheit schenken möge. Und dass er dieses Chaos, das um sie herum entstanden war, wieder aufräumte.

Sie klopfte kräftig an die Tür des Nebenzimmers und eilte dann Falk entgegen, der sie schief angrinste. Seine linke Gesichtshälfte war angeschwollen, dazu zog sich eine Blutspur von seiner Stirn über die Wange bis zum Hals.

Ohne ein Wort zu sagen, umfasste Junia ihn an der Hüfte, und er stützte sich schwer auf sie. Rahel, die auf Junias Klopfen hin die Tür geöffnet hatte, schnappte hörbar nach Luft, woraufhin Duke seine Frau beiseitedrängte. Sobald er erkannte, dass Rahel keine Gefahr drohte, lehnte er sich mit vor der Brust verschränkten Armen in den Türrahmen. „Was hast du denn schon wieder angestellt?“

„Mich verprügeln lassen“, keuchte Falk unter Schmerzen.

„Und warum?“

„Ich sammle blaue Augen.“

„Zu Forschungszwecken?“

„Das von dir war rechts, jetzt dachte ich –“

„Ihr hört jetzt sofort auf!“ Rahel verstand keinen Spaß, wenn es um die Gesundheit ihrer Freunde ging. Sie bedeutete Junia, dass sie Falk in das Männerzimmer bringen solle, also schob Junia ihn über die Schwelle. Vorsichtig setzte er sich auf die Bettkante und ließ Rahels mit sanftem Druck ausgeführte Untersuchung über sich ergehen. Schließlich leuchtete sie ihm mit einer Taschenlampe in die Augen. „Du solltest dich im Krankenhaus untersuchen lassen.“

„Ich habe einen Dickschädel.“

„Das ist mir durchaus bekannt.“

„Ach, deshalb!“

„Richtig. Vielleicht kann dich da endlich jemand geraderücken.“

„Es waren drei, und sie kamen aus dem Nichts.“

„Es gibt kein Nichts.“

„Aus der Dunkelheit. Am Strand.“

„Hast du sie provoziert? Irgendwelche lockeren Sprüche über ihre Shorts oder ihre Bärte? Über die Art wie sie joggen oder –“

„Ich liebe dich auch, Kleine.“

Von Duke kam ein Räuspern. Junia verfolgte den Schlagabtausch mit gerunzelter Stirn.

„Offenbar missfällt es irgendjemandem, dass wir in Junias Vergangenheit herumstochern“, vermutete Falk, der sich im Zeitlupentempo zurücklehnte, wobei seine langen Beine weiterhin über die Bettkante hinausragten.

„Es weiß doch niemand, wo wir sind.“ Rahel klang aufgeschreckt.

„Wer weiß?“, schränkte Duke, der Kriminalist, ein. Er wusste, wie viele ihrer Daten aufgrund der Flugreise und des Eincheckens im Hotel in Umlauf geraten waren.

„Gut, dass Duke dir ein paar Tricks gezeigt hat und du sie abwehren konntest.“ Rahel tippte sich mit dem Zeigefinger nachdenklich an die Lippen. Vermutlich überlegte sie noch immer, ob sie Falk in ein Krankenhaus bringen sollten.

„Drei Angreifer gegen diese Bohnenstange. Da helfen selbst meine besten Verteidigungsstrategien nichts.“ Duke musterte Falk eingehend. Der grinste, während Junia die Finger hinter dem Rücken ineinanderschlang.

„Ich hatte einen Helfer.“

„Du meinst einen Retter.“ Duke blieb bei seiner Meinung, dass Falk gegen drei Angreifer keine Chance gehabt hatte. „Und wo ist der jetzt?“

„Tja, wenn ich das wüsste.“ Falks Grinsen fiel noch breiter aus, allerdings stöhnte er dabei auf. Die Bewegung bereitete ihm offenbar Schmerzen. Schnell sprang Rahel zur Minibar und nahm eine eiskalte Colaflasche heraus, die sie ihm in die Hand drückte. Er hielt sie vorsichtig an seine linke Gesichtshälfte.

„Ihr hättet ihn sehen sollen. Diese flinken Bewegungen. Energiegeladen, gezielt, kraftvoll, dynamisch“, schwärmte Falk. Junia wandte sich dem Fenster zu. Sie konnte ein Grinsen kaum unterdrücken. Jetzt da sie wusste, dass Falk zwar unter Schmerzen litt, aber nicht ernsthaft verletzt war, wartete sie gespannt auf das sich anbahnende Gespräch.

„Dein Ninja war wieder da?“ Duke lachte.

Das vorletzte Türchen hat sich also geöffnet. Jetzt suche ich mal noch einen hübschen Text für morgen, ab dann müsst ihr warten … bis Mitte/Ende Februar, dann kommt der Drache „endlich“ auf den Buchmarkt .

Signierte Vorbestellung gern bei mir.

Wer „Im Herzen die Freiheit“ noch nicht kennt, kann die Zeit bis dahin ja mit diesem Roman aus meiner Feder überbrücken.

Und jetzt genieße ich meine große Familie und die beiden Enkel, die schon hier sind. Übrigens finde ich, dass der Große die coolsten Hausschuhe überhaupt hat. Auch wenn er behauptet, es seien Krokodile … 🙂

Bild könnte enthalten: Essen

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Text-Adventskalender 22. Dezember 2019

Was haben wohl diese Männer vor, die Falk so bedrohlich vorkommen, dass er sogar sein Brötchen in den Sand fallen lässt …? Ich öffne mal ganz schnell das nächsten Adventskalendertürchen für euch.

Der Preisboxer trat vor ihn. Falk tastete nach seinem Smartphone in der Gesäßtasche seiner Jeans. „He, ihr seid ja nur zu dritt! Vielleicht hättet ihr noch ein paar ältere Brüder und Cousins mitbringen sollen.“

„Großmaul!“, knurrte der Mann rechts von ihm.

„Ach, du kennst mich?“ Falk schwitzte. Es war unmöglich, die Wahlwiederholung zu aktivieren, ohne hinzusehen. Er vermisste die erhabene Tastatur früherer Modelle.

Jetzt näherte sich auch der Flügelkämpfer. Falk duckte sich, brach nach rechts aus und suchte sein Heil in der Flucht. Der Dritte stellte ihm ein Bein. Reichlich unsanft schlug Falk auf dem Boden auf. Das Telefon entglitt ihm. Er wollte nach dem beleuchteten Display greifen, doch einer der Angreifer kickte das Gerät mit dem Fuß aus Falks Reichweite. Der zweite Tritt traf Falk an der Schläfe. Er stöhnte. Schmerz explodierte in seinem Kopf. Die Nacht war ohnehin dunkel, nun sah er auch noch verschwommen. Sand knirschte zwischen seinen Zähnen. Jemand packte ihn am T-Shirt und zerrte ihn auf die Beine. Sie knickten kraftlos unter ihm weg. Was hatte Duke ihm gleich beigebracht? Seine Gedanken schwammen davon. Falk war nicht einmal mehr in der Verfassung, laut um Hilfe zu rufen. Er hatte schon verloren, bevor der Kampf überhaupt begonnen hatte.

Ein schwarzer Schatten flog über Falk hinweg. Ein Bein der Gestalt war angewinkelt, das nach vorn ausgestreckte traf Falks Angreifer mitten ins Gesicht. Der ließ ihn los, taumelte, stürzte und wälzte sich vor Schmerzen im Kies. Falk duckte sich. Die Gestalt wirbelte erneut über ihn hinweg, wobei sie dem zweiten Angreifer ebenfalls ins Gesicht trat. Dessen Kopf ruckte nach rechts; Falk glaubte, den Nacken knacken zu hören.

Katzengleich landete sein Helfer auf den Füßen, stellte sich zwischen ihn und den Preisboxer. Den langen Stock hervorziehen und dem dritten Angreifer damit die Nase brechen, war eine einzige fließende Bewegung. Der Kerl schrie auf und warf sich nach vorn. Der Ninja bewegte sich wie ein Kreisel von ihnen weg und sprang dem Mann Sekunden später in die Kniekehlen. Dessen Beine knickten ein. Er schnaubte wie ein wildgewordener Stier.

Falk versuchte, den flinken Schatten im Auge zu behalten, doch der war zu schnell. Oder Falks durchgeschütteltes Gehirn zu langsam. Hinter ihm bewegte sich etwas. Offenbar war der Flügelmann wieder auf den Beinen. Das blieb aber nicht so. Stockschläge, in einer Geschwindigkeit ausgeführt, dass Falk sie kaum wahrnahm, malträtierten Bauch, Brust und Nacken des Angreifers. Der begann zu jammern, verkroch sich schließlich in das schützende Dunkel der Nacht, das auch Falks ungewöhnlichen Helfer verschluckte.

Knurrend kam der Preisboxer auf die Füße.

„Lass es lieber sein“, warnte Falk halb weggetreten, jedoch voller Bewunderung für den schwarzen Schatten, der wie aufs Stichwort aus dem Nichts auftauchte und den Hünen ein zweites Mal in die Knie zwang. Der geheimnisvolle Kämpfer nutzte die Schulter des Mannes als Tritt und sprang erneut über Falk hinweg, als hätte er Sprungfedern unter den Schuhen.

Was es wohl mit diesem Kämpfer – Falks „Ninja“ auf sich hat …?

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Text-Adventskalender 21. Dezember 2019

Ich habe es – nach einer wirklich sehr intensiven Schreibwoche – tatsächlch geschafft, den Rohtext des aktuellen Manuskripts noch vor Weihnachten zu beenden. So kann ich tatsächlch mal ein paar Tage richtig freinehmen und freue mich schon jetzt auf meine große Familie!

Von Junia haben wir erfahren, dass sie keine Familie mehr hat. Und sie wähnt die von Falk in Gefahr – wegen ihr. Springen wir mal ein kleines Stückchen im Text, ehe wir das Türchen Nummer 21 öffenen:

„Okay. Wie geht es Junia?“

„Ich weiß es nicht so genau.“ Nun war Rahels Stimme wieder gewohnt sanft. „Sie ist sehr still und nachdenklich. Allerdings kann ich das auch verstehen. Sie weiß, dass sie im Fokus von jemandem steht, der sie kidnappen will. Und dass du diese Leute für so gefährlich hältst, dass du Junia von deinen Eltern weggeholt hast. Jetzt sitzt sie mit uns, die wir ihr so gut wie fremd sind, in einem Hotel, das sie sich nicht leisten kann, und das auch noch in der Stadt, die sie mit nichts als Schmerz und Leid in Verbindung bringt. Sie weiß, dass sie dringend unsere Hilfe braucht, dennoch ist es ihr unangenehm, sie anzunehmen.“

„Wo ist sie jetzt?“

„Sie ist gleich nach dem Abendessen aufs Zimmer verschwunden. Duke und ich sind noch spazieren gegangen, da ich ihr etwas Freiraum und Ruhe gönnen wollte.“

„Danke, Rahel. Du bist ein Schatz.“

„Du weißt, dass ich dir oder deinen Freunden immer helfen werde, ja?“

„Ja, das weiß ich, Kleine. Und das liebe ich so an dir. Ich bin hier fertig. Wir sehen uns dann morgen.“

Falk beendete das Gespräch, las die fünf Zeilen noch einmal durch und schaltete schließlich das Gerät aus. Im Grunde brachte sie das, was er da gefunden hatte, nicht den kleinsten Schritt näher an des Rätsels Lösung. Sie steckten in einer Sackgasse, genau wie damals die kanadischen Ermittlungsbehörden.

Er räumte die dünnen schwarzen Folienblätter weg, löschte die Lichter und joggte zurück zu dem Gebäude, das die Redaktion beherbergte. Wie vereinbart warf er den Schlüssel für die Kellerräume in den Briefkasten und holte sich bei einem Strandverkäufer dessen letztes belegtes Brötchen.

Langsam schlenderte Falk den Strand entlang, lauschte dem Donnern der Brandung zu seiner Linken und dem Grillenzirpen und leiser Musik zur Rechten. Dort verriet orangefarbener Lichtschein hinter Vorhängen, wo weitere Hotels, Ferienwohnungen und Privathäuser standen. Er kaute auf dem labbrigen Brötchen herum und hoffte, dass zumindest Dukes Einfall zu einem Ergebnis geführt hatte. Es wurmte ihn, dass ihre Reise nach Vancouver sie nicht voranbrachte. Vor allem, da dies bedeutete, dass Junia noch länger in Ungewissheit und Angst leben musste. Das hatte sie nicht verdient. Und das nicht nur, weil sie in ihrem Leben bereits einmal zu viel das Opfer von Menschen geworden war, die sich einfach nicht greifen ließen – ebenso wenig wie ihre Motivation.

Falk blieb ruckartig stehen, als plötzlich eine Gestalt vor ihm stand. Er hatte den anderen nächtlichen Strandspaziergänger nicht früher gesehen, war der doch völlig in Schwarz gekleidet. Zu ihm gesellte sich ein zweiter Mann mit der Statur eines Preisboxers, gleich darauf konnte Falk links von sich eine dritte Person ausmachen. Das sah gar nicht gut aus. Er ließ das halbe Brötchen in den steinigen Sand fallen.

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Text-Adventskalender 20. Dezember 2019

Öffnen wir mal das 20. Türchen und lauschen weiter auf Falks Telefongespräch mit Rahel und Duke …

Offenbar sprach Falk nun wieder mit Rahel, denn seine Stimme hatte erneut diesen weichen Klang. Junia wandte sich um und blickte aus dem Fenster. Inzwischen war nachtschwarze Dunkelheit über Sable Island hereingebrochen, sodass sie nur ihr Spiegelbild, die Reflexionen der Deckenstrahler und im Hintergrund Magda und Hendrik sehen konnte. Draußen, in weiter Entfernung, zerteilten wilde Blitze den Nachthimmel.

Voller Unbehagen schaute Junia ihrem Spiegelbild in die Augen. Falk ahnte nicht, dass sie ihm ein paar Details ihrer Geschichte verschwieg. War es ein Fehler, das zu tun? Sie hatte sehr wohl den besorgten Blick gesehen, den er seinen Eltern zugeworfen hatte. Magda und Hendrik waren großherzige Menschen. Im Gegensatz zu ihrem Sohn schienen sie Junias Anwesenheit nicht als Gefahr anzusehen. Falk jedoch tat das. Zu Recht? Junia wusste es nicht. Und genau das bereitete ihr Unbehagen. Sie wollte nicht dafür verantwortlich sein, dass dieser Familie etwas zustieß, die es sich offenbar zur Aufgabe gemacht hatte, sie zu beschützen.

Ja, sie wollte Falks Hilfe gern annehmen, da sie sich ein paar Antworten erhoffte. Denn wie es aussah, hatte er gewichtige Kontakte und somit Mittel und Wege, an Informationen zu gelangen, die für sie außer Reichweite lagen.

Ein seltsam warmes Gefühl stieg in ihr auf, als sie an ihr Aufeinandertreffen mit Falk hier auf Sable Island zurückdachte. Er war wohl ebenso erschrocken gewesen wie sie, hatte dann aber sofort die Augen von ihr abgewandt. Wenn sie sich nicht völlig täuschte, war er sogar ein bisschen rot geworden. So viel Rücksichtnahme gab es heute nur noch selten. Junia wusste schon jetzt, dass sie Falk, genau wie seine Eltern, ins Herz schließen würde. Das hieß jedoch, dass sie aus dem Leben der Jägers verschwinden musste, sobald es für die Familie gefährlich wurde.

Nur heute noch könnt ihr die Gutscheine für „Das Lächeln des Drachen“ und „Im Herzen die Freiheit“ bestellen. Entweder, um sie zu Weihnachten zu verschenken – oder um euch selbst eine Freude zu machen, denn natürlich gelten die Gutscheine auch als „Vorbestellung“.

Hier kommt ihr zur Gutschein-Aktion.

Bei einem mysteriösen Unfall in den Wirren der Märzrevolution 1849 kommen die Eltern der zehnjährigen Antoinette ums Leben. Daraufhin wird sie quer über den Atlantik zu ihrem Patenonkel nach New Orleans gebracht. Dort erwartet Antoinette eine fremde Familie, eine fremde Umgebung und fremde gesellschaftliche Umstände. Vor allem die Sklaverei stößt auf ihr Unverständnis. Warum sollten Menschen das Recht haben, andere zu ihrem Besitz zu machen?

Jahre später folgt sie ihrem Herzen und schließt sich heimlich einer Gruppe von Sklavenbefreiern an. Doch verhindert sie damit womöglich ihr Liebesglück? Und was ist mit dem Rätsel um den Tod ihrer Eltern? Wird sie jemals erfahren, was damals tatsächlich geschehen ist?
Kanada, 2013: Falk Jäger reist auf Bitten seiner Eltern auf die als Schiffsfriedhof bekannte Insel Sable Island. Er ist hocherfreut, dort auf Junia zu treffen, doch die junge Frau ist von einem dunklen Geheimnis umgeben, und Falk soll ihr helfen, die Wahrheit über ihre Vergangenheit ans Licht zu bringen. Mit Hilfe seiner Freunde macht sich Falk daran, das Rätsel um Junia zu lösen. Die Spur führt zurück ins England des 19. Jahrhunderts, zu einer britischen Adelsfamilie, einer unkonventionellen jungen Lady und einem geheimnisvollen Schatz. Doch was hat es mit dem mysteriösen Ninja auf sich, der ständig in Junias Nähe auftaucht? Schon bald schweben die Freunde in großer Gefahr …

Ein spannender und vielschichtiger Roman – und ein Wiedersehen mit liebgewonnenen Freunden aus „Das Mädchen aus Herrnhut“ und „Skarabäus und Schmetterling“.

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Text-Adventskalender 19. Dezember 2019

Nachdem ihr jetzt Falks Eltern und auch Junia kennengelernt habt, springen wir beim Türchen 19 mal ein kleines Stückchen weiter im Text.

Übrigens: Heute und Morgen könnt ihr noch die Gutscheine für „Das Lächeln des Drachen“ und „Im Herzen die Freiheit“ bestellen.

Junia saß noch immer auf dem Stuhl in der hintersten Ecke des Raumes. Sie hörte, wie Falk trotz des Gewitters über das Festnetztelefon – wovon auf Sable Island dringend abgeraten wurde –mit jemandem in England telefonierte. Ihn wieder in ihrer Nähe zu wissen, löste verwirrende Gefühle in ihr aus.

Sein Interesse an ihr, als sie sich kennengelernt hatten, hatte ihr damals Probleme bereitet. Sie war nicht bereit für eine engere Freundschaft, kämpfte sie doch viel zu sehr mit ihrer Vergangenheit – und den daraus resultierenden Folgen für die Gegenwart. Außerdem hielt sie seine immerzu fröhliche Art für reichlich überdreht. Was sie ihm jedoch hoch anrechnete war die Tatsache, dass er sich sofort zurückzog, als ihm klar wurde, dass sie seine Gefühle nicht erwiderte. Daraufhin richtete er sein Interesse nicht etwa auf eine der anderen Praktikantinnen, obwohl einige von ihnen durchaus für den charmanten Sohn der namhaften Meeresarchäologen schwärmten. Vielmehr fiel er durch eine ungewöhnliche, fast schon altmodisch anmutende Zurückhaltung auf.

Als Magda sich bei einem Tauchgang verletzte, beobachtete Junia, dass in dem Filou, dem eher Schalk als Blut durch die Adern lief, ein besorgter, ja, ernsthafter junger Mann steckte. Er übernahm augenblicklich die Verantwortung und kümmerte sich liebevoll um seine Mutter. Das imponierte ihr. Dennoch blieb sie bei ihrer Überzeugung, dass eine Beziehung nicht in ihr Leben passte. Weder, was Falk betraf, noch irgendwelche Kommilitonen.

Schließlich war Falk abgereist, und auch sie war wenige Wochen später zum theoretischen Teil ihres Studiums zurückgekehrt und hatte ihn aus ihrem Gedächtnis verbannt.

Junia wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem telefonierenden jungen Mann zu. Falk hatte das Gespräch laut gestellt. So konnten sowohl Junia als auch Falks Eltern mithören, wie eine gewisse Rahel ihn herunterputzte, weil sie über mehrere Wochen hinweg nicht gewusst hatte, wo er sich herumtrieb. Gleich darauf ging sie dazu über, ihn mit unzähligen Fragen zu löchern, die Falk geduldig beantwortete. Er mochte Rahel und sie ihn, das war nicht zu überhören. Endlich gelang es Falk, Rahels Ehemann Duke ans Telefon zu bekommen, dessen erste Frage lautete: „Na, wie geht es deinem blauen Auge?“

Prompt drehte Magda sich um, und Falk schaltete schnell den Lautsprecher aus. Dukes Frage ignorierte er stur. Dafür erläuterte er Junias Lage und drängte seinen Freund mehr, als dass er ihn darum bat, seine Kontakte zu nutzen. Der Polizist sollte Details zu den Hintergründen des Überfalls auf Junias Eltern herausfinden. Obwohl es einer längeren Diskussion bedurfte und Junia es niemals gedacht hätte: Letztendlich sagte Duke zu, es zu versuchen.

Na, kennt ihr Rahel und Duke noch? Rahel aus „Das Mädchen aus Herrnhut“ und beide zusammen aus „Skarabäus und Schmetterling“ (wobei ich jetzt offenlasse, wer der Mistkäfer und wer der Schmetterling ist) 🙂

Hardcover und Taschenbuchauflage
Jubiläumsauflage

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Text-Adventskalender 18. Dezember 2019

Wer sich schon immer gefragt hat, wie Falk – unter anderem – so werden konnte, wie er nun mal ist, darf beim Türchen 18 mal ein bisschen hinter die familiären Kulissen schauen …

Ein Poltern an der Tür ließ Falk herumwirbeln. Sein Rucksack kippte um und wurde mit dem Türblatt einfach beiseitegeschoben, bis er sich an einem der Klapptische verhakte.

„Räum dein Zeug weg!“, bellte sein Vater, für den der Türspalt zu klein war, um einzutreten.

„Auf der Skala für deine herzlichste Begrüßung rangiert das auf Platz zweiundzwanzig“, frotzelte Falk, sprang aber vor  und riss den Rucksack an sich.

„Und was ist Platz eins?“, fragte sein Vater automatisch, während er sich bückte, um sich nicht den Kopf am Türstock zu stoßen.

„Mann, ist der hässlich“, kommentierte Falks Mutter und fügte hinzu: „Das war der Augenblick, als die Hebamme dir unseren Sohn in die Arme gelegt hat.“

Magda Jäger, wie immer mit jugendlichem Igelhaarschnitt, drückte ihrem Ehemann eine salzverkrustete Tasche gegen die Brust und zog ihren Sohn an sich. Falk erwiderte die Umarmung und atmete die besondere Mischung aus Tang, Salz und dem leichten Duft von Flieder ein, die seine Mutter umgab. Allerdings war es seltsam, sie an Land zu begrüßen, hatten sie sich in den vergangenen Jahren doch meist auf dem Forscherschiff seiner Eltern getroffen.

„Es ist so schön, dich hier zu haben!“, flüsterte sie. „Wann haben wir uns zuletzt gesehen?“

„Vor sechs Monaten, an Weihnachten.“

„Stimmt, bei Rahel und ihrem Ehemann Duke in London. Er hat dir damals ein blaues Auge verpasst. Weshalb noch gleich?“

Falk drückte seine Mutter, die im Laufe der vergangenen zwei Jahre deutlich molliger geworden war, ein zweites Mal fest an sich und antwortete leise: „Das habe ich dir damals schon nicht verraten, und ich werde auch heute schweigen.“

Kaum dass er sich von seiner Mutter gelöst hatte, fiel die Hand seines Vaters schwer auf Falks Schulter. „Es ist gut, dich zu sehen, Junge!“

Obwohl Falk mit seinen ein Meter fünfundneunzig sehr groß war, überragte Hendrik Jäger seinen Sohn um stolze sieben Zentimeter, wobei er nicht einmal mit der Frisur schummelte, trug er doch seit gut zwei Jahrzehnten eine Glatze.

„Du siehst endlich nicht mehr wie ein verhungerter Zeltnagel aus. Dukes Training scheint zu wirken.“ Hendrik boxte ihm spielerisch in den Bauch und nickte anerkennend, als er auf eine feste Muskelschicht traf. „Nur das mit deinem Frisör …“

„Du weißt genau, dass ich diese Frisur nur trage, weil ich Emma damit ärgern kann.“

„Welche Frisur?“, fragte Magda halblaut, die sich aus ihrer feuchten Fleecejacke schälte und ihre Gummistiefel in die Ecke zu den anderen unordentlich herumliegenden Schuhen schleuderte.

„Du siehst deine ehemalige Lehrerin doch höchstens alle paar Wochen.“ Hendrik bückte sich, um seine Militärstiefel aufzuschnüren.

Falk zuckte mit den Schultern. Emma und der Historiker Daniel, mit denen Falk und seine einstige Klassenkameradin Rahel bereits einige knifflige Fälle erlebt hatten, waren inzwischen stolze Eltern von Zwillingsjungen und bei Weitem nicht mehr so versessen auf Action wie früher. Wobei Emma immer nur versehentlich und ungewollt in die Erlebnisse hineingerutscht war. Jetzt ging sie völlig in ihrer Mutterrolle auf. Eine ganz besondere Art von Abenteuer, wie Falk bewundernd hatte feststellen müssen.

„Und was macht die Studienplatzfindung?“ Sein Vater kam wie immer sofort auf die drei üblichen Themen zu sprechen: Falks unmöglicher Haarschnitt, wobei Hendrik mit seiner Glatze gut reden hatte, sein fehlender Einsatz bezüglich eines Studienplatzes, was Hendrik mit „mangelnde Zukunftsperspektive“ gleichsetzte, und das Fehlen einer potenziellen Schwiegertochter, die sein Vater dann vermutlich genauso herzlich begrüßen würde, wie er es bei Falk tat.

„Das wird schon noch. Ebenso wie das mit der Schwiegertochter.“

„Danach habe ich doch gar nicht gefragt.“

Magda lachte ihren Ehemann aus, der das mit einem schiefen Grinsen quittierte und sich endlich seiner schweren Schuhe entledigte.

„Darf ich jetzt auch mal was fragen?“, wagte Falk sich vor.

„Sicher doch.“ Magda begab sich hinter den Tresen, der den Küchenbereich vom überfüllten Wohnraum trennte, und ließ Spülwasser einlaufen.

„Warum habt ihr mich herbestellt, und was macht Junia hier?“

„Gut, du hast Junia also schon getroffen?“

„So könnte man es auch nennen“, murmelte er.

„Wie du dich vielleicht erinnerst, studiert sie Meeresbiologie. Und sie ist der Grund, weshalb du hier bist“, erläuterte Hendrik.

„Ich will weder dazu überredet werden, Meeresbiologie zu studieren, noch sucht ihr euch eure Schwiegertochter selbst – Moment!“ Falk drehte sich zu seinem Vater um. „Ich bin wegen Junia hier?“

„Hat sie dir nichts erzählt?“, fragte Hendrik.

„Na ja, wir haben nicht wirklich viele Worte gewechselt, ehe sie nach nebenan geflohen ist.“ Falk konnte bei der Erinnerung an ihre Flucht und das durchscheinende Stückchen Stoff an ihrem Körper ein Schmunzeln nicht unterdrücken.

Prompt drehte sich Magda zu ihm um und stemmte die kräftigen Hände in die Taille. „Was hast du schon wieder angestellt?“

„Ich bin nur hergekommen. Wie befohlen.“

Seine Mutter verzog das Gesicht und deutete dann auf eine unscheinbare Nebentür, die zwischen den überladenen Kommoden und zwei Hängeschränkchen, in denen Geschirr und Gläser untergebracht waren, kaum zu sehen war. „Kam sie womöglich gerade aus der Dusche?“

„Das würde ihre unkonventionelle Kleidung erklären.“

„Na, du konntest ja nicht ahnen, dass wir nicht allein hier wohnen.“ Magda wandte sich wieder dem Berg aus schmutzigem Geschirr zu. In Falks Ohren klang sie seltsam nachsichtig, fast schon eine Spur erfreut. Das fand er wiederum bedenklich. Er hatte keine Lust, sich von seiner Mutter verkuppeln zu lassen. Gleichgültig, wie stark er sich vor einem Jahr zu Junia hingezogen gefühlt hatte.

„Und?“, hakte Falk schließlich nach.

„Dass sie Meeresbiologie studiert, ist die perfekte Tarnung, um sie hier verstecken zu können.“

Falk überkam das Gefühl, dass seine Mutter das Pferd gerade von hinten aufzäumte. „Um es mit deinen Worten zu sagen, Mom: Was hat sie angestellt?“

Noch könnt ihr den Gutschein für das Buch bestellen und an Weihnachten verschenken. Oder den für „Im Herzen die Freiheit“. Das oder die Bücher kommen selbstverständlich sofort nach dem Erscheinungstermin bei euch an – persönlich signiert.

Wie das geht, lest ihr HIER.

Das kleine Weihnachts“büchle“ ist verlost. Mal sehen, ob ich noch ein weiteres Spiel starte … 😉

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Text-Adventskalender 17. Dezember 2019

Hm, was hat Falk denn nur so … erschreckt?

Schauen wir mal hinter Türchen 17:

Vor ihm stand ein Mädchen – nur in ein Tuch gehüllt, das mehr zeigte als verdeckte. Offenbar hatte sie das Fähnchen hastig vom Esstisch gerissen, wo es sonst als Tischläufer diente.

Er sah gebräunte glatte Haut, ehe er sich intensiv für die Holzdecke zu interessieren begann. „Ich bin Falk!“ Ob das Erklärung genug ist, weshalb ich, ohne anzuklopfen, in eine fremde Wohnung platzte?

Das Zuschlagen einer Tür verriet ihm, dass das Mädchen erfolgreich die Flucht angetreten hatte. „Und ich nicht angezogen!“, lautete die Antwort durch die geschlossene Tür hindurch.

„Freut mich, Nichtangezogen.“

„Du bist noch genauso unmöglich wie früher!“

„Weshalb dann dieses überraschtes Quieken?“

„Ich quieke nicht! Aber deine Eltern sagten mir schon, dass du mit jedem Jahr ein bisschen unverschämter wirst.“

Falk zog eine Grimasse. „Die Betonung lag vermutlich auf ein bisschen!

„Nein, auf unverschämt.

Er hatte Junia sofort wiedererkannt, obwohl er sich beeilt hatte, die Deckenmaserung zu inspizieren. Ein eigentümliches Gefühl beschlich ihn, das er nur schwer einordnen konnte. Er hatte Junia vor etwa einem Jahr kennengelernt, zusammen mit einer Gruppe weiterer ehrenamtlicher Mitarbeiter seiner Eltern. Vom ersten Tag an hatte er Junia faszinierend gefunden, sie hingegen hatte ihm im Laufe der Zeit zunehmend mehr die kalte Schulter gezeigt. Überhaupt war sie ein wenig seltsam gewesen – was sein Interesse an ihr nur verdoppelt hatte. Sie war freundlich und höflich aufgetreten, hatte sich allerdings bei jeder Gelegenheit zurückgezogen. Als fürchtete sie andere Menschen … ganz besonders ihn, was manche seiner Mitmenschen vermutlich durchaus verständlich finden würden.

Aber weshalb stand sie jetzt unbekleidet in der Unterkunft seiner Eltern? Falk starrte die Tür an, die sie lautstark hinter sich zugeworfen hatte. Mit Sicherheit hatte sie weder mit seiner Ankunft noch mit einer verfrühten Heimkehr seiner Erzeuger gerechnet, sonst hätte sie sich etwas übergezogen. Vielleicht arbeitete sie hier erneut als Praktikantin. Schließlich nannte man seine Eltern zwar Abenteurer, doch sie hielten weltweit Vorträge über ihre Entdeckungen und galten als von Historikern und Archäologen gleichermaßen anerkannte „Schatzsucher“, da sie stets äußerst professionell mit dem umgingen, was sie fanden. Sie zogen immer Experten zurate und ließen die gefundenen Artefakte Museen zukommen, wenn möglich sogar in deren Herkunftsländern. Die beiden Meeresarchäologen hatten mehr als einmal Schiffs- oder Flugzeugwracks aus dem Zweiten Weltkrieg aufgespürt, die noch Treibstoff oder Sprengkörper an Bord gehabt hatten, und damit eine mögliche Naturkatastrophe verhindert.

Habt ihr euch eigentlich schon mal gefragt, warum Falk so ist – wie er nun mal ist? Vielleicht lüftet sich dieses Geheimnis morgen ein wenig …

Noch mehr gelüftete Geheimnisse gibt es im „Das Lächeln des Drachen“. Wer den Roman gern verschenken möchte (Gutschein zu Weihnachten – dann kommt das Buch gleich nach Veröffentlichung persönlich gewidmet und signiert an den/die Beschenkten) oder für sich selbst vorbestellen, ist HIER genau richtig.

Kanada, 2013: Falk Jäger reist auf Bitten seiner Eltern auf die als Schiffsfriedhof bekannte Insel Sable Island. Er ist hocherfreut, dort auf Junia zu treffen, doch die junge Frau ist von einem dunklen Geheimnis umgeben, und Falk soll ihr helfen, die Wahrheit über ihre Vergangenheit ans Licht zu bringen. Mit Hilfe seiner Freunde macht sich Falk daran, das Rätsel um Junia zu lösen. Die Spur führt zurück ins England des 19. Jahrhunderts, zu einer britischen Adelsfamilie, einer unkonventionellen jungen Lady und einem geheimnisvollen Schatz. Doch was hat es mit dem mysteriösen Ninja auf sich, der ständig in Junias Nähe auftaucht? Schon bald schweben die Freunde in großer Gefahr …

Ein spannender und vielschichtiger Roman – und ein Wiedersehen mit liebgewonnenen Freunden aus „Das Mädchen aus Herrnhut“ und „Skarabäus und Schmetterling“.

Und macht doch noch beim gerade stattfindenden Gewinnspiel mit. HIER findet ihr es.

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Text-Adventskalender 16. Dezember 2019

In dem Augenblick, als Falk die Treppe mit dem roten Geländer betrat, huschte ein Schatten hinter ihm vorüber.

Ruckartig drehte er sich um und sah, wie die schwarze Silhouette von zuvor hoch in die Luft stieg, als könnte sie fliegen. Gleich darauf balancierte sie tänzelnd über etwas, vielleicht ein Gestell oder einen niedrigen Dachfrist, und verschwand dann mit einem Sprung aus seinem Blickwinkel, als hätte der Nebel – oder der Himmel – sie aufgesaugt. Falk raufte sich das feuchte, ohnehin in alle Richtungen abstehende blonde Haar. Was sah er da nur immer? Ein besonderes Nebelphänomen dieser Insel? Ein menschenähnliches Tier, das sich lautlos und federleicht zu bewegen verstand?

„Ninja!“, beschloss er und zuckte zusammen, als eine raue Stimme erwiderte: „Freut mich. Wobei ich dachte, Sie heißen Falk.“

„Jetzt, wo Sie es sagen …“ Falk grinste, öffnete die Schnallen seines Rucksacks und ließ diesen von seinen Schultern gleiten. Der Mann, der ihm die weiße Tür aufhielt, war um die fünfzig, hatte graues kurzgeschorenes Haar und stellte sich ihm als Marc Carlson vor.

„Wenn Sie da sind, ist auch mein Zubehör eingetroffen“, überlegte Carlson laut. Falk vermutete in ihm einen der Wetterfrösche der Station. Carlson griff nach einem schwarzen Regenmantel.

„Die Piper war jedenfalls gut beladen.“

„Prima, dann fahre ich mal an den Strand. Ich kann Sie gern ein Stück mitnehmen und Ihnen zeigen, wo Ihre Eltern untergekommen sind.“

Falk bedankte sich für das freundliche Angebot und schnappte sich erneut sein Gepäck. Nacheinander verließen sie den großen Raum, der fast das gesamte Gebäude ausmachte und dessen Tür Carlson trotz der wertvollen Geräte nicht abschloss. Aber weshalb auch? Hier gab es niemanden, der etwas stehlen konnte. Abgesehen von ein paar Piraten vielleicht, den Geistern Tausender Schiffbrüchiger, die vor Sable Island ertrunken waren, und … einem Ninja?

Auf der kurzen Fahrt in dem schwarzen Chrysler Truck über die holprige Sandpiste erläuterte ihm Carlson die Funktion der einzelnen Gebäude, stoppte schließlich und winkte, dass Falk aussteigen könne. „Hier wären wir.“

„Sie sollten ins Taxi-Gewerbe der Insel einsteigen.“

Carlson lachte und schlug sich auf die Oberschenkel. „Falls im Flugzeug etwas für Ihre Eltern dabei ist, bringe ich es später vorbei.“

„Danke.“

„Viel Spaß hier, was auch immer ein junger Kerl wie Sie auf diesem einsamen Ödland anstellen will.“

„Piraten, Geister und Ninjas jagen.“

„Dann wird es Ihnen ziemlich langweilig werden.“ Carlson hob grüßend die Hand und fuhr mit unter den Rädern aufspritzendem Sand davon. Drei Pferde schreckten auf und traten die Flucht an, blieben jedoch wenige Meter weiter stehen und widmeten sich dem, was sich ihnen dort zum Fressen bot. Falk vermutete, dass es inmitten der sanft geschwungenen, mal braunen, dann wieder grünen Landschaft, die von Seen und Flussläufen durchzogen war, noch mehr dieser Tiere gab. Sie verbargen sich aber hinter den mal träge, mal schnell ziehenden Nebelschwaden.

Mit geschultertem Rucksack folgte er dem ausgetretenen Pfad und näherte sich einem weißen Holzgebäude. Die Veranda, deren Geländer feuerrot gestrichen war, wurde von ebenfalls roten Vorbauten vor dem Wind geschützt. Auf seinem Weg dorthin scheuchte Falk Möwen auf, die protestierend das Weite suchten. Endlich stand er vor einer weißen Holztür, an der ein Zettel befestigt war, der vielmehr einem nassen Lappen als einem Stück Papier glich. Die leicht verschwommenen Worte verrieten ihm, dass sich seine Eltern bei den Wracks an der Westspitze aufhielten, nahe des ehemaligen Standpunktes des westlichen Fahnenmastes.

Falk verdrehte die Augen. Er hatte wenig Lust, sich schon wieder auf unbekanntes Terrain zu begeben. Vor allem bei diesen Sichtverhältnissen, und somit auf die Gefahr hin, womöglich keine fünfzig Meter an seinen Eltern vorüberzugehen, weil diese mittlerweile den Rückweg angetreten hatten. Er drückte die Klinke und betrat einen erfreulich hellen Wohnraum mit gemütlicher Einrichtung. Ein entsetzter Aufschrei ließ ihn zurückschrecken.

Damit schließt sich das 16. Türchen wieder.

Hier zuerst wieder der Hinweis auf die WeihnachtsGeschenkGutscheinAktion. Die wird noch bis zum 22. Dezember laufen.

Eine Buchbestellung der bereits erschienen Bücher „muss“ ich ab heute mit demzusätzlichen Porto von € 6,99 berechnen. Denn eine günstige Büchersendung würde nicht mehr rechtzeitig vor Weihnachten ankommen. Weshalb der Päckchen/Paket-Versand nötig wird. Vielen Dank für euer Verständnis.

Und natürlich gibt es auch wieder etwas zu gewinnen. Ich verlose ein weiteres Exemplar des kleinen und sehr hübschen „Verschenkbuches“ Weihnachtsfreude im Herzen.

Wer es gern gewinnen möchte „muss“ es verschenken. 🙂

Schreibt mir doch einfach im Kommentar den Vornamen (bitte, nur diesen, gern auch eine Kurzform, der Kosename …) der Person, die ihr mit dem kleinen „Büchle“ überraschen möchtet und – wenn ihr mögt – auch weshalb.

Bereits am 18. werde ich unter den Beiträgen einen Gewinner ziehen. Der Gewinner wird per Mail benachrichtigt und schreibt mir dann bitte seine Adresse, natürlich unter Wahrung der Datenschutzbestimmungen.

Ich wünsche euch einen guten Wochenstart.

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Text-Adventskalender 15. Dezember 2019

Die zweite Cover-Adresse ist verlost. Der Gewinner wird per Mail informiert. Aber keine Angst, es gibt noch mehr kleine Geschenke

Vielleicht seid ihr ja schon ganz gespannt darauf, zu lesen, was Falk nun mit diesem seltsam wirbelnden Schatten anstellt …

Falk schnallte kurzerhand den Brustgurt seines Rucksacks fest und lief in die Richtung, in die jene surreale Erscheinung verschwunden war. Er war noch nicht weit gejoggt, als sie zurückkam. Drehend, springend, unwirklich und doch existent kam das Etwas auf ihn zu. Der diffuse Schatten wurde zu einer menschlichen Gestalt, die ganz in Schwarz gekleidet war. Sie stockte. Falk hörte sie keuchen, dann wandte sie sich mit einer Bewegung ab, die wie ein handloser Radschlag aus der Akrobatik aussah, und wurde gleich darauf vom Nebel verschluckt.

„Cool!“, flüsterte er nahezu ehrfürchtig, obwohl ein heißer Schauer über seinen Rücken lief. Weniger cool war, dass er jetzt die Orientierung verloren hatte.

„He, Ninja! Vielleicht könntest du mir den Weg zur Station zeigen?“, rief er gegen sein Unbehagen an. Eine Antwort erhielt er nicht. Also drehte er sich um und folgte den Spuren im Sand, von denen er hoffte, dass es seine eigenen waren, die ihn wieder zu der Stelle führen würden, wo der Ninja ihn abgelenkt hatte.

Für einen Junitag war es unangenehm kühl, dennoch geriet Falk ins Schwitzen, als er mühsam eine der Sanddünen hinaufstieg und dabei das Gefühl hatte, nach jedem Schritt vorwärts wieder zwei zurückzurutschen. Endlich oben angekommen, peitschte der Strandhafer, von zunehmenden Böen geschüttelt, gegen seine Beine. Der Wind nahm jedoch den Nebel mit sich, sodass Falk nun wieder mehr erkennen konnte.

Die Station bestand aus einer Handvoll verstreut liegender weißer Gebäude, einem Heliport, diversen elektronischen Anlagen und einer größeren Halle. Sie lag auf sandigem, mit Dünengras bewachsenem Grund zwischen dem mittleren Teil und dem Westende der Insel, und damit in der Nähe des westlichen Leuchtturms, des Lake Wallace und des Süßwasserteichs.

Falk lenkte seine Schritte in die entsprechende Richtung und gelangte auf einen der vielen Pfade. Diese verbanden die Gebäude miteinander und bestanden nicht nur aus Sand, sondern teilweise auch aus Holzbohlen oder Steinplatten.

Prüfend sah Falk sich um und wählte als Ziel die Meteorologische Station mit ihrem kuppelförmigen Dach. Ein Lichtschein hinter den Fenstern verriet die Anwesenheit eines der wenigen Menschen, die auf dem kleinen Eiland stationiert waren.

Noch immer besteht die Möglichkeit, Romane aus meiner Feder – oder aus der von Noa C. Walker – als Weihnachtsgeschenke zu bestellen. Und natürlich den „Drachen“. Hier kommt dann ein GUTSCHEIN.

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Text-Adventskalender 14. Dezember 2019

Bevor wir nachschauen, was Falk so anstellt, kommt hier noch der letzte Hinweis auf die Gewinnaktion für diese hübsche Cover-Tasse.

Vergesst nicht bei der Gewinnaktion für eine weitere Cover-Tasse mitzumachen. Noch ist das möglich. Klickt einfach auf den Text-Adventskalender unter dem 11. Dezember. (Siehe rechts oben bei „Neueste Beiträge“)

Öffnen wir also ein weiteres Türchen …

Dunkle Abschnitte kristallisierten sich dort heraus, wo der Dünenbewuchs dichter war als andernorts. Je tiefer die Maschine flog, umso deutlich konnte Falk die Bauwerke modernerer Art, aber auch die im Verfall begriffenen und vom Sand umschlungenen Holzhäuser erkennen. Sie näherten sich einem langgezogenen Strandabschnitt, der nicht von Dünen oder Wasserflächen durchbrochen war und wohl als Landeplatz diente. Allerdings hielten sich dort gerade einige robuste Pferde auf.

Der Pilot steuerte über die kleine Herde hinweg, und die Pferde stürmten mit wehenden Mähnen davon, sodass die Maschine schließlich wenden und noch tiefer gehen konnte. In dem Augenblick, als die Räder der Piper auf dem unebenen Untergrund aufsetzten und Falk gehörig durchgeschüttelt wurde, umschlang der Nebel erneut die Insel. Fasziniert beobachtete Falk, wie die Welt um ihn herum innerhalb eines Wimpernschlags im Nichts versank. Kein Wunder, dass dieses aus der Luft so freundlich aussehende Lächeln vielen Schiffen zum Verhängnis geworden war, war es doch in der Lage, sich in Sekundenschnelle zu verstecken. Hinzu kamen beißende, schnell aufziehende Stürme und verquere Strömungen, wie Falk wusste.

Das Motorengeräusch erstarb, kurz darauf betrat der Seeräuber die Kabine mit den vier Sitzen, von denen drei mit Kisten und Säcken beladen waren.

„Perfekte Landung“, lobte Falk und erntete ein unwirsches Brummen. Offenbar hatte der Mann schon vor dem Start gesehen, dass Falk die Sache nicht ganz geheuer war.

Falk schnappte sich seinen Rucksack, stieg in den hier festen Sand hinab und sah sich hilflos um. Er hatte keine Ahnung, wohin er sich wenden sollte, hörte er doch nur das durch den Nebel gedämpfte Tosen der Brandung in seinem Rücken.

„Zur Station geht es da lang.“ Captain Blackbeard deutete in den Nebel.

Falk, gehorsam wie selten, marschierte los. Auf insgesamt vierunddreißig Quadratkilometern konnte man sich ja nur begrenzt verirren, zumal zwei Versuche, Bäume auf der Insel zu pflanzen, die ihm die Sicht hätten versperren können, kläglich gescheitert waren. Demnach musste man sich von jeder höheren Düne aus orientieren können. Zumindest wenn kein Nebel herrschte.

Er erreichte gerade den sanften Anstieg eines Dünenkamms, als er hinter sich ein eigentümliches Geräusch vernahm. Es war, als zische eine einzelne Windbö an ihm vorbei. Neugierig drehte er sich um und sah einen tanzenden Schatten in den dichten Nebelschwaden verschwinden. War das ein Minitornado? Falk tat die Überlegung als Blödsinn ab. Es könnte eines der Sable-Island-Ponys gewesen sein. Das würde allerdings weder dieses Zischen noch die wirbelnde Bewegung erklären.

Typisch Falk! Was er da wohl wieder sieht? Oder förmlich wie ein Magnet angezogen hat?

Sable Island

Die Insel gehört zur kanadischen Provinz Nova Scotia und liegt nahe der transatlantischen Schifffahrtsrouten, weshalb sie seit Beginn der Seefahrt als eines der gefährlichsten Hindernisse für Schiffe gilt. Schätzungsweise 10.000 Seeleute sind dort seit Ende des 16. Jahrhunderts ums Leben gekommen.

Wie im Roman beschrieben, wurden den Schiffen die Untiefen, Strömungen und die schnell wechselnde Wetterlage zum Verhängnis, ebenso wie die Tatsache, dass sich Sable Island gern einmal im Nebel versteckt.

Dauerhafte Besiedelungsbemühungen scheiterten. Das größte Projekt startete Ende des 16. Jahrhunderts mit rund sechzig Strafgefangenen, da sich keine Freiwilligen fanden. Der Versuch wurde nach nur vier Jahren beendet. Bis auf elf Überlebende waren alle anderen „Siedler“ tot. Sie hatten sich gegenseitig umgebracht oder waren an Krankheiten verstorben. Ebenso erfolglos blieb das Aufforsten mit Bäumen. 1901 pflanzte die kanadische Regierung über 80.000 Setzlinge, die allesamt eingingen. Ein erneuter Versuch im Jahr 1960 brachte einen deutlich größeren Erfolg: Eine Kiefer überlebte. (Inzwischen soll sie ein paar wenige (!) stolze Meter hoch sein.)

Wer sich die lächelnde Insel gern einmal ansehen möchte, kann in Google Maps einfach „Sable Island“ eingeben und voilà – da ist sie. Die schönste Ansicht hat man, wenn man auf „Satellit“ umschaltet.

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Text-Adventskalender 13. Dezember 2019

Und da ist er nun, der Falk.

Vergesst nicht bei der Gewinnaktion für eine weitere Cover-Tasse mitzumachen. Noch ist das möglich. Klickt einfach auf den Text-Adventskalender unter dem 11. Dezember. (Siehe rechts oben bei „Neueste Beiträge“)

Sommer 2013

Falk Jäger warf einen kritischen Blick aus dem Fenster der zweimotorigen Piper. Ja, er besaß das sogenannte Abenteurer-Gen. Und zwar gleich in zweifacher Ausfertigung, schließlich hatte er es sowohl von seinem Vater als auch von seiner Mutter vererbt bekommen. Aber lebensmüde war er mit seinen erst dreiundzwanzig Jahren deshalb noch lange nicht.

Das schienen seine Eltern jedoch anzunehmen. Weshalb sonst hatten sie darauf bestanden, dass er sofort anreiste, und das, obwohl der Atlantik vor Nova Scotia an der kanadischen Ostküste heute von dickflüssig-waberndem Nebel überzogen war? Ein Sturm drohte, was ihm die Anreise mit dem Helikopter unmöglich gemacht hatte, und diese Klapperkiste, die ihre besten Jahre längst hinter sich hatte, würde nun auf einer Briefmarke landen müssen. Auf einer sandigen zudem. Und dann trug die Insel, die sie ansteuerten, auch noch den zweifelhaften Spitznamen „Friedhof des Atlantiks“.

Falk lehnte sich zurück und rief sich in Erinnerung, was er über Sable Island wusste. „Die Insel liegt rund einhundertsiebzig Kilometer von der kanadischen Provinz Neuschottland entfernt. Sie ist zweiundvierzig Kilometer lang, und an der breitesten Stelle misst sie etwa zwei Kilometer. Seit dem 16. Jahrhundert war der schlanke Sandkasten Schauplatz von mehr als dreihundertfünfzig registrierten Schiffbrüchen, zwischen 1801 und Mitte des 20. Jahrhunderts waren auf der Insel Rettungsteams stationiert. Jetzt leben dort vor allem Forscher. Nicht mehr als eine Handvoll – und meine Eltern.“ Er grinste. „Und einige hundert Pferde, die bei dem vergeblichen Versuch, die Insel zu bevölkern, zurückgelassen wurden.“

Falk blickte erneut in die Nebelwand hinaus und fügte hinzu: „Und ab sofort ich. Falls wir sicher runterkommen.“

„Wir erreichen in wenigen Minuten den South Beach von Sable Island.“ Die von Knistern und Knacken gestörte Durchsage aus dem Cockpit ließ Falk leise auflachen. Der brummige Pilot mit dem Rauschebart eines Piraten hatte seinen halblauten Vortrag unmöglich hören können. Falk beugte sich weiter vor und drückte sich die Nase am Fenster platt. Plötzlich rissen die Nebelschwaden auf. „Hey, mein Laserblick funktioniert!“, freute sich Falk. Ein aufgewühltes graues Meer wurde sichtbar, dann ein hellbrauner Landstrich in Form eines schiefen Lächelns. Sable Island.

Folgt dem Link und ihr seht die „lächelnde Insel“. Besonders schön ist sie natürlich, wenn ihr auf „Satellit“ umschaltet.

Dann könnt ihr noch ein bisschen näher scrollen – oder weiter weg. Je nachdem, was ihr sehen wollt. Und die angebotenen Fotos (links) sind auch ganz hübsch. (anklicken und runterscrollen)

Wobei sich nun natürlich die Frage stellt, was genau Falk auf dieser Insel soll …?

Unter diesem Link findet ihr zur WeihnachtsGeschenkGutscheinAktion. NOCH ist es möglich, den Gutschein (für sich selbst oder als Weihnachtsgeschenk) zu bestellen.

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Text-Adventskalender 12. Dezember 2019

Und … das nächste Türchen ist offen. Noch einmal sind wir bei Olivia, Simon und Mr Pembroke, morgen dann wechseln wir zu Falk.

Er quälte sich die Stufen hinab; in Eile, da er um Charles’ Leben fürchtete. Dennoch bemühte er sich, nicht leichtsinnig zu agieren. Welch Hohn! Bei diesem Sturm die Klippen hinabzusteigen, war Narretei pur.

Simon spürte die Furcht um sein eigenes Leben wie brodelnde Lava in sich aufsteigen. Er wollte leben. Eine starke Bö fiel über ihn her. Er stürzte auf den Felsen zu seiner Linken. Ein scharfer Schmerz jagte durch seine Schulter. Er verdrängte ihn und kämpfte sich mühsam voran. Eine Stufe nach der anderen. Immer weiter abwärts. Unter ihm ragten die Klippen schwarz empor. Das Meer war eine einzige weiße schäumende Masse. Meterhoch fegte die Gischt hinauf in den wolkenverhangenen Himmel. Die Welt zeigte sich ungewöhnlich farblos. Ohrenbetäubendes Brausen und Schlagen, Donnern und Heulen erfüllten die salzige Luft. Das Wasser hatte den Sandstrand vollständig aufgefressen. Es donnerte gegen die Steilküste, klatschte dorthin, wo es nur alle paar Jahre einmal hingelangte. Die Wellen wirkten hungrig. Unersättlich. Weil sie sich endlich ein Stück dieses Gesteins zu eigen machen, es sich einverleiben konnten? Oder waren es in Wirklichkeit die Brüder, nach denen sie lechzten? Wie schon nach dem Ältesten der Geschwister und nach den Eltern?

Grimmig schlitterte Simon vorwärts, dem brodelnden Wasser entgegen. Dann sah er ihn. Charles stand auf einer Stufe weiter unten. Die Brecher kletterten fast bis zu seinen Füßen hinauf. Gischt hüllte ihn ein wie dichter Nebel. War er denn lebensmüde? Eine einzige größere Woge würde genügen, um ihn mit sich zu reißen. Simon schlug alle Vorsicht in den Wind. Er musste zu Charles! Schnell!

Eine hübsche Stelle, um die kleinen Einblicke in den historischen Teil des Romans zu beenden, findet ihr nicht auch?

Ihr wollt wissen, wie es weiter geht? Bestellt doch einfach den „Dachen“ bei mir vor und/oder verschenkt ihn zu Weihnachten. Diese Möglichkeit gibt es HIER. Und natürlich kommen die Bücher dann persönlich signiert und mit eurer Wunsch-Widmung zu euch!

Vergesst auch nicht bei der Gewinnaktion für eine weitere Cover-Tasse mitzumachen. Noch ist das möglich. Klickt einfach auf den Text-Adventskalender unter dem 11. Dezember. (Siehe rechts oben bei „Neueste Beiträge“)

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Text-Adventskalender 11. Dezember 2019

Herzlich willkommen beim jetzt offenen Türchen Nummer 11. Heute und morgen bleiben wir noch beim ersten und damit historischen Teil des Romans, danach springen wir dann in den zeitgenössischen Teil – und damit zu Falk.

Gibt es jemanden hier, der Falk noch nicht kennt? (und dabei soll er angeblich sogar einen eigenen Fan-Club haben. Hab ich mal gehört. Leider bin ich noch immer nicht zum Ehrenmitglied ernannt worden. :D) Und damit kennt ihr auch nicht Emma und Rahel?

Das können wir ändern – noch bevor der „Drachen“ in die Buchläden kommt.

Emmas Geschichte könnt ihr in „Das Mädchen aus Herrnhut“ lesen. Der Roman wurde letztes Jahr als Jubiliäumsausgabe neu aufgelegt und kostet (Hardcover) nur € 12,00.

Jubiläumsausgabe
Originalcover – vergriffen

Der Historiker Daniel Ritter ist fasziniert von einer Holzfigur, die ein junges Mädchen mit Umhang darstellt. Denn diese Figur gibt einige Rätsel auf.

Ihre Spur führt zurück bis ins Mittelalter und sie ist gesäumt von mysteriösen Todesfällen und seltsamen Verstrickungen. Was verbindet Luise, eine Frau, die im 18. Jahrhundert in der Herrnhuter Gemeinschaft lebte, mit der jungen, modernen Lehrerin Emma Fischer?

Daniel, der schon bald auch von Emma fasziniert ist, macht sich gemeinsam mit ihr an die Nachforschungen. Doch dann geraten beide in große Gefahr …

Ein vielschichtiger Roman, der in das historische Herrnhut entführt.

Rahels Geschichte steht in „Skarabäus und Schmetterling“. Der Mistkäfer ist ein dicker, fetter Schmöker, natürlich ebenfalls Hardcover und kostet €17,99. Dafür, dass ihr seitentechnisch im Prinzip gleich 3 Bücher erhaltet, ist das ziemlich günstig. 😉 Vermutlich gibt es nicht mehr sehr viele Print-Exemplare vom Skarabäus.

Originalausgabe

Die junge Sarah reist im Jahr 1922 nach Ägypten, wo sie die aufsehenerregenden Ausgrabungsstätten des Archäologen Howard Carter besucht. Doch Sarah scheint Missgeschicke und Unfälle geradezu anzuziehen … Oder steckt jemand dahinter, der ihr schaden will? Aber warum? Als Howard Carter dann tatsächlich die Grabanlage des Pharao Tutanchamun findet, gerät Sarah in höchste Gefahr …

90 Jahre später in Berlin: Immer wieder tauchen Tutanchamun-Artefakte auf dem Schwarzmarkt auf. Auch Rahel, die als Praktikantin im Berliner Neuen Museum arbeitet, gerät unter Verdacht. Bald wird sie von Europol verfolgt und flieht in Begleitung des Historikers Daniel und seiner Frau Emma nach Kairo, um herauszufinden, was damals wirklich geschehen ist.

Beide Bücher könnt ihr entweder als Ebook oder Print kaufen, bei GerthMedien, in jeder Buchhandlung oder bei mir – dann kommen die Exemplare auch persönlich signiert zu euch.

Aber jetzt schnell zu Olivia, Simon, Mr Pembroke …

Die ihn bedrängenden Fragen und Zweifel verleiteten Simon dazu, Pembrokes Warnung zu ignorieren. Ja, er wusste, dass es bei Regen und einem Sturmwind, der vom Meer kommend frontal auf die Küste traf und noch stürmischere und gefährlichere Wellen gegen die Steilküste und in die Bucht warf, überaus riskant war, nach Charles zu suchen. Doch was er über die Jahre versäumt hatte, durfte er nicht noch einmal aufschieben. Er musste jetzt etwas unternehmen!

„Sir, lassen Sie sich wirklich nicht umstimmen?“ Pembroke reichte ihm einen Hut, den Simon abwies. Die Kopfbedeckung würde ohnehin nicht länger als ein paar Schritte weit auf seinem Kopf bleiben. Der Wind peitschte inzwischen in Orkanstärke über das Meer und die Küste hinweg.

„Bedenken Sie bitte, dass Sie jetzt -“

Er wandte sich ruckartig ab und war noch vor Pembroke an der Pforte. Der Sturm riss Simon den Türflügel aus der Hand. Das massive Holz knallte gegen die Hauswand. Das Geräusch mischte sich unter das Wüten, Brausen, Schlagen und Toben der Naturgewalten.

Tief vornübergebeugt kämpfte er sich voran. Blätter, kleine Steine und Zweige, vom Wind mitgerissen, prasselten auf ihn hernieder. Der Ginster schüttelte sich wie angewidert ob der salzigen Gischt, die der Sturm weit über die Felskante hinaustrug.

Simon betrat die nassen, dem Felsen abgetrotzten Stufen. Er hastete abwärts. Als die schützende Felswand Richtung Seeseite endete, erfasste ihn die ungebremste Wucht des Orkanes. Er taumelte; drohte zu stürzen. Verzweifelt klammerte er sich an einem Ginsterast fest, zerstach sich dabei die Handflächen. Die Böen rissen an seinem Mantel und machten ihm das Vorankommen noch schwerer. Gefährlicher. Erneut traf die geballte Wut einer Bö seinen Körper. Sie presste ihn an den salzverkrusteten, kalten Felsen.

Ob Charles wirklich dort unten war? Oder hatte Pembroke sich getäuscht? Simon hielt inne. War es nicht absolut fahrlässig, was er hier tat? Er schnappte nach Luft, raubte der scharfe Wind ihm doch den Atem. Nein, er wollte sich nicht zurückziehen. Nicht schon wieder. Er musste endlich seine Prioritäten zurechtrücken. Nicht der Erhalt von Broomglade Manor war das Bedeutungsvollste. Nicht die Frage darüber, was mit seinem Erbe geschehen würde, falls ihm etwas zustieß. Menschen waren wichtig. Charles war wichtig! Prioritäten zurechtrücken …

Ein Buch bestellen. Wie geht das?

Den „Drachen“ kann man vorbestellen?

Man kann sogar den „Drachen“ oder ein anderer Roman von Elisabeth Büchle /Noa C. Walker zu Weihnachten verschenken?

HIER könnt ihr nachlesen, wie das geht.

Und nun kommen wir zur Verlosung der nächsten Cover-Tasse.

So sieht das Schmuckstück aus.

Die Seite mit Unter dem Abendstern und Unter dem Mitternachtsmond (leider mit ein paar Spiegelungen von den Kugeln. Die sind auf der Tasse natürlich nicht drauf!)
Einmal gedreht: Unter dem Polarlicht und Unter dem Sternenhimmel – ebenfalls mit den Spiegelungen, die auf der Tasse natürlich nicht zu sehen sind.

Na, gefällt sie euch? Dann macht doch einfach mit: Ich möchte von euch gern die Namen aller vier Romanprotagonistinnen aus eben diesen Winterromanen wissen.

  1. Wie heißt die weibliche Hauptfigur aus „Unter dem Polarlicht“?
  2. Wie heißt die weibliche Hauptfigur aus „Unter dem Sternenhimmel“?
  3. Wie heißt die weibliche Hauptfigur aus „Unter dem Mitternachtsmond“?
  4. Wie heißt die weibliche Hauptfigur aus „Unter dem Abendstern“?
  5. Ich würde mich freuen, wenn ihr andere auf diese Aktion aufmerksam macht. Entweder über „Mund-zu-Mund“-Propaganda, über eure Facebook- oder Instragram-Seite (die Fotos von den Tassen/ dem Drachen-Cover dürfen gern herauskopiert und dazu benutzt werden!), über Mail, WhatsApp … wie auch immer.

Teilnehmen könnt ihr, indem ihr unter diesem Beitrag einen Kommentar mit euren Antworten hinterlasst. Ich schalte sie natürlich erst frei, wenn das Spiel beendet ist. Das Spiel endet um Mitternacht am 14.12.2019.

Am nächsten Tag, den 15.12.2019, lose ich dann aus und kommentiere unter dem entsprechenden Kommentar. Zudem wird der Gewinner per Mail angeschrieben, da ich ja eine Adresse benötige. (Datenschutzbestimmungen s. Homepage)

Kleiner Tipp: Auf der Homepage gibt es auch die Klappentexte der Winter-Romane! 😉

Ich wünsche euch viel Spaß!

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Text-Adventskalender 10. Dezember 2019

„Autsch“. Was hat es denn nun mit diesen beiden Damen auf sich, die gestern so plötzlich vor den Toren von Broomglade Manor standen und Olivia dabei „erwischt“ haben, wie sie heimlich das Haus verlassen wollte …?

Öffnen wir doch mal das 10. Türchen im Adventskalender:

„Miss Kramer?“ Pembrokes Stimme klang besorgt – eine Wohltat in einer Welt, die Olivia mit frostiger Eiseskälte umgab. Allerdings hatte er der furchteinflößenden Frau nun auch ihren Nachnamen verraten. Langsam wandte Olivia den Kopf und blickte den Butler an.

„Ihr Frühstück steht bereit. Möchten Sie Ihren Spaziergang nicht auf später verschieben? Es heißt, die Wolken werden gegen Mittag aufreißen, und bei Sonnenschein ist es angenehmer, die frische Luft zu genießen.“ Einladend deutete er in die noch im Dämmerlicht liegende Eingangshalle.

Überfordert mit der Situation und zugleich dankbar für Pembrokes Eingreifen, machte Olivia kehrt und humpelte an den beiden Frauen und dem Butler vorbei. Letzterer nahm ihr unauffällig die Reisetasche ab, ließ sie hinter sich fallen und schob sie mit dem Fuß in den Schatten des Türstocks. Olivia fand seinen Überlistungsversuch dermaßen faszinierend, dass sie kurz zögerte. Pembroke hingegen nickte auffordernd und gewohnt hoheitsvoll in Richtung Salontür. Also ging Olivia hinüber und ließ sich von Lucille, die wie aus dem Nichts auftauchte und übertrieben tief knickste, die Tür öffnen. Als sich diese mit einem leisen Klacken hinter Olivia schloss, atmete sie auf. Welch ein Durcheinander sie mit ihrem unangekündigten Besuch angerichtet hatte! Sie musste sich unbedingt bei Simon – und auch bei Pembroke – entschuldigen.

Nur zögernd wandte sie sich nach rechts und betrat den Raum, in dem sie am Abend zuvor das Dinner eingenommen hatte. Der Tisch war erneut für zwei Personen gedeckt, wobei ihr die Krümel auf dem Teller und die benutzte Tasse auf der einen Seite verrieten, dass Simon bereits gefrühstückt hatte. Erstaunt hob Olivia die Augenbrauen. War es nicht üblich, dass die Mitglieder der wohlhabenden Klasse lange, manche von ihnen sogar bis zum Mittag schliefen? Jedenfalls hatte sie das bei ihren Bekannten, bei denen sie gelegentlich zu Gast gewesen war, beobachten können. Aber offensichtlich traf das nicht auf alle zu.

Auf der Anrichte standen Platten mit Käse, Würstchen und kaltem Braten, Gläser mit verschiedenen Marmeladensorten, frisch duftendes Brot, Butter und sowohl eine Kanne mit Tee als auch eine mit Kaffee bereit. Offenbar war es so gedacht, dass Olivia sich selbst bedienen sollte. Das war bei dem wenigen Personal, das Broomglade Manor beschäftigte, durchaus sinnvoll. So musste kein Lakai mehrere Stunden im Speisesaal verbringen, bis alle Familienmitglieder aufgestanden waren und gefrühstückt hatten. Wobei – bis auf Simon gab es hier doch niemanden … Vielleicht hielten Pembroke und seine Untergebenen einfach nur ein gut funktionierendes Gefüge aufrecht, obwohl der jüngere Bruder mit seiner Ehefrau nicht hier wohnte und die Eltern verstorben waren. Und dieser mysteriöse dritte Bruder …

Olivia griff nach einem Teller, legte eine Scheibe Brot und ein wenig von dem dünn geschnittenen Käse darauf und schenkte sich eine Tasse Kaffee mit Sahne ein. Kaum dass sie platzgenommen hatte, vernahm sie Stimmen im benachbarten Salon. Angespannt zog sie die Schultern hoch. Sie hörte, wie Pembroke die Gäste bat, sich einen Moment zu gedulden, da er den Hausherrn verständigen wolle, dann wurde es wieder still. Jedoch nur für einen kurzen Augenblick, ehe die durchdringende Stimme der älteren Frau Olivia aufmerken ließ.

„Das hat sicher nichts zu bedeuten, meine Liebe. Höchstwahrscheinlich war das Geschöpf bei einem der Dienstmädchen zu Besuch und nur zu faul, den weiteren Weg über den Dienstbotenausgang zu nehmen. Wie wir gesehen haben, hat sie Probleme beim Gehen. Vermutlich dachte sie, sie kommt am frühen Morgen ungesehen damit durch.“

Olivia warf einen Blick auf die filigrane Standuhr neben der Anrichte und traute ihren Augen nicht. War es tatsächlich schon beinahe elf Uhr? Hatte sie so lange geschlafen? Sicher hatte das trübe Wetter sie über die weit vorgerückte Stunde hinweggetäuscht.

Entweder sprach die andere Frau mit sanfter, leiser Stimme oder sie enthielt sich jeglichen Kommentars. Jedenfalls konnte Olivia ihre Antwort nicht hören. Warum die Dame mit dem riesigen Hut plötzlich davon abgekommen war, sich über Frauenbesuch bei Simon zu echauffieren, war ihr jedoch nicht ganz klar. Es sei denn … Schon auf der Treppe hatte sie zu verhindern versucht, dass ihre Begleiterin die Anschuldigungen mit anhörte. Hatte sie Simons vermeintlich ungeheures Betragen überspielen wollen, um ihre junge Begleiterin zu schützen? Weil die beiden etwas füreinander empfanden, womöglich bald eine Trauung bevorstand?

Übrigens: Mit Veröffentlichung von „Das Lächeln des Drachen“ kommt die Realverfilmung von „Mulan“ in die Kinos. Und der erste Covervorschlag (Ich LIEBE diesen Covervorschlag!!!) war dem des Filmplakates von Mulan sehr ähnlich. Das „Brustbild“; leicht von der Seite, einer jungen Frau, die sehr kämpferisch dreinschaut und einen Säbel so hält, dass er (schräg) einen Teil ihres Gesichts verdeckt. Das Ganze in vielen kräftigen Blau- und Schwarztönen und mit denselben Drachen-Emblemen versehen, wie auf dem „richtigen“ Cover. Leider darf ich es euch aus rechtlichen Gründen nicht zeigen. (Urheberrecht des Fotografen/Künstlers) Hier mal einen Link zu dem Filmplakat.

Und dieser Gesichtsausdruck trifft es ganz gut.

Wobei ihr euch jetzt vermutlich fragt, was das denn mit den Texten zu tun hat, die ihr bisher gelesen habt. Tja. Wartet ab … 😉

Wer dieses – oder ein anderes Buch aus meiner Feder – gern verschenken möchte, ist bei meine WeihnachtsGeschenkGutscheinAktion genau richtig.

Und morgen gibt es dann die Gewinnchance für eine weitere Cover-Tasse.

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Text-Adventskalender 9. Dezember 2019

Heute bin ich mit dem Einstellen des Textes sehr spät dran. Aber ich habe heute Morgen meine obligatorischen 10 Seiten (Dokument, nicht Taschenbuch) geschrieben und am Nachmittag noch die Korrekturfahne für den „Drachen“ fertig gemacht. Bis um ca. 18:00 war ich damit noch beschäftigt. Jetzt habe ich Hunger. ABER zuerst kommt für euch der nächste Textabschnitt aus

Und was macht Olivia da? Sie schleicht sich davon …? Na, sehen wir mal, ob es ihr gelingt, Broomglade Manor heimlich zu verlassen:

Die Reisetasche in der Hand, humpelte Olivia zielstrebig auf die wuchtige Eingangstür zu. Eigentlich wollte sie rasch gehen, fort sein, bevor die Hausbewohner erwachten, aber die Schmerzen in ihrem Knie ließen sie an ihrem Vorhaben zweifeln. Wie sollte sie den langen Abstieg über die felsige Küstenstraße bis nach Lynmouth zuwege bringen, wenn sie doch kaum die Stufen hatte bewältigen können? Und was sollte sie tun, sobald sie das kleine Fischerdörfchen mit den pittoresken Häusern, schmalen Gässchen und dem alles beherrschenden Geruch von Seetang und Fisch erreicht hatte?

Ob es hier in England einfacher war, eine Anstellung zu finden, als in ihrer Heimat? Viele der adeligen Familien beschäftigten Gouvernanten für ihre Kinder, und Olivia hatte eine gute Ausbildung genossen, sprach darüber hinaus nicht nur Deutsch und Englisch, sondern sogar recht annehmbar Italienisch und Französisch. Vielleicht war auch eine Tätigkeit als Kammerzofe möglich. Allerdings war sie noch nie einer Arbeit nachgegangen und verfügte deshalb über keine Empfehlungsschreiben. Zudem würde ihr in ihrer veralteten und mittlerweile sehr in Mitleidenschaft gezogenen Garderobe wohl kaum jemand abnehmen, dass sie früher einmal  in den Kreisen des Landadels verkehrt hatte. Selbst hier auf Broomglade Manor hatte Pembroke sie zuerst darauf hingewiesen, dass ihr, wie allen Bediensteten oder deren Besuchern, kein Zutritt über den Haupteingang zustand, da dieser ausschließlich der Familie und deren Gästen vorbehalten war.

Sie konnte gut kochen, überlegte Olivia weiter, während sie sich Schritt für Schritt in Richtung Tür quälte. Ob es leichter war, eine Anstellung als Köchin zu finden? Doch würde sie mit der Zubereitung mehrgängiger Menüs für eine große Anzahl verwöhnter Gaumen zurechtkommen? Immerhin hatte sie, gemeinsam mit der Haushälterin, bislang lediglich für ihren bescheidenen Dreipersonenhaushalt gekocht. Und mit diesem Knie war stundenlanges Stehen in der Küche vorerst ohnehin unmöglich.

Was also sollte sie tun, sobald sie Lynmouth erreichte?

Ihr Weg hierher nach Devonshire hatte sie in eine Gasse getrieben, deren Mauern links und rechts immer höher wurden und entsprechend bedrohlich und düster wirkten. Das an sich war schon beängstigend genug, doch leider wuchs nun auch vor ihr ein scheinbar unüberwindbares Hindernis in die Höhe – und zurück konnte sie nicht, denn dort gab es nichts mehr für sie. Das Pfarrhaus mit dem bezaubernden Garten war längst an den Nachfolger ihres Vaters und dessen ständig wachsende Familie gegangen, die kleine Kate in einer der Dorfgassen hatte man ihnen nur so lange zur Verfügung gestellt, wie der Herr Pfarrer am Leben gewesen war. Sie war allein. Heimatlos.

Die Wucht dieser Erkenntnis drohte sich mit der Trauer um ihren Vater zu einer Melange aus Verzweiflung und Resignation zu verbinden. Trotzig dagegen ankämpfend, hob Olivia den Kopf und ergriff die Klinke, die kalt in ihrer Hand lag. Sie war jung, arbeitswillig und gesund. Ihr würde schon ein Ausweg einfallen. Irgendwo auf dieser großen Welt würde es einen Platz für sie geben. Und eines Tages dürfte sie vielleicht auch wieder so etwas wie eine Heimat haben. Hatte ihr Vater nicht immer gesagt, dass die Heimat eines Menschen in Gottes Liebe zu finden war? Darauf sollte sie ihre Gedanken ausrichten.

Sie drückte die Klinke, schob unter Einsatz ihres ganzen Körpergewichts den rechten Türflügel auf – und erstarrte.

Vor ihr stand eine ältere Dame mit erhobener Hand. Vermutlich hatte sie nach dem Klopfer greifen wollen. Auf ihrem kunstvoll frisierten blonden Haar thronte ein ausladender Hut samt wippenden Pfauenfedern. Ihr Brokatkleid, in kräftigem Violett gehalten, war selbst mit der von ihr gewählten kleinen Krinoline gänzlich ungeeignet für eine Fahrt über Land. Im Hintergrund stand eine Kalesche, der, die behandschuhte Hand des Kutschers ergreifend, eine deutlich jüngere Frau entstieg. Sie war nicht weniger aufwändig, wenngleich in unauffälligerem Gelb und Beige gekleidet.

„Darf ich erfahren, wer Sie sind? Und wo steckt Pembroke?“

Olivia zuckte ob des scharfen Tons der Frage erschrocken zusammen. „Entschuldigen Sie bitte“, murmelte sie und beeilte sich, der Dame aus dem Weg zu gehen. Nachdenklich betrachtete sie das Gefährt. Ob der Kutscher zum Warten angehalten worden war? Oder konnte er sie womöglich von hier fortbringen – wohin auch immer? Ein Wappen am Verschlag verriet ihr allerdings, dass das Gefährt mit dem Faltdach einer Familie gehörte und somit nur privat genutzt wurde.

„Es stimmt also. Sir Simon hat Frauenbesuch!“, fauchte die Frau Olivia an, drehte den Kopf und warf einen prüfenden Blick auf ihre jüngere Begleiterin, wohl um sicherzustellen, dass diese ihre Worte nicht gehört hatte.

Verwirrt biss sich Olivia auf die Unterlippe. Erst in diesem Augenblick wurde ihr bewusst, in welch missliche Lage sie sich und Simon ungewollt manövriert hatte. Ein weiterer Grund für sie, sich schleunigst davonzumachen? War ihr Name erst durch den Schmutz gezogen, hatte sie vermutlich nicht einmal mehr die Chance, als Küchenmädchen angestellt zu werden … Nur, was war dann mit Simon? Doch verzieh man Männern derlei Vergehen nicht viel leichter als dem weiblichen Geschlecht? Olivia raffte ihren Rock und stieg die Stufen hinunter.

„Hiergeblieben!“ Die Dame winkte dem Kutscher. „Halten Sie das Mädchen auf! Womöglich hat sie vor, den Hausherrn um sein Silber zu bringen!“ Olivia schnappte nach Luft. Jetzt verdächtigte die Frau sie auch noch, eine Diebin zu sein? Am liebsten hätte sie die Flucht ergriffen, aber ihr schmerzendes Knie ließ das nicht zu. Die imaginären Mauern um sie herum drohten über ihr zusammenzubrechen.

Das kleine Buch Weihnachtsfreude im Herzen ist verschenkt, bei der WeihnachtsGeschenkGutscheinAktion hat wieder jeman einen Winterroman gewonnen.

Die Aktion mit der Gewinnchance geht noch weiter. Wenn ihr also noch ein Weihnachtsgeschenk sucht, seit ihr HIER richtig.

Und bald gibt es wieder eine schöne Cover-Tasse zu gewinnen. Diesmal mit allen vier Covern der „Unter dem …“ Reihe.

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